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Besonders haufig begegnet uns eine solche falsche Anwendung auf dem Oebiet der vergleichenden Religions-und Rechtsgeschichte und der Völkerkunde.

180. 4. Fehierhafte Anaiogieschifisse. 1. Man folgert bei un wesen tlichen au Beren Ahnlichkeiten auf innere Abhangigkeiten; man zieht aus der Ubereinstimmung in einem Merkmal oder einer Beziehung sichere Schlüsse auf die ubereinstimmung in anderen Merkmalen oder Beziehungen, besonders bei Objekten des Gesellschafts- und Völkerlebens; man setzt zeitlich und sachlich weit auseinander liegende Objekte in Beziehung, man fibertragt z. B. Anschauungen und lnstitutionen von einem Zeitalter auf ein ganz verschiedenes, von einem Oebiet auf ein ganz heterogenes; man geht von der falschen Voraussetzung aus, daB die Entwicklung der Völker oder Staaten einen gleichen Oang genommen hat.

181. 2. Beispiele falscher Analogien: auf rein mechanische Weise übertrug man die physischen Qesetze der Natur auf das Oesellschaftsleben, indem man die Erscheinungen dieses als notwendig resultierende Wirkungen aus den Eigenschaften der einzelnen Komponenten herleiteté (AComte, AQuetelet, JStuart MUL KLamprechi); man übertrug die Merkmale und Gesetze des lebenden Körpers auf den Staat (PvLUienfeld, ASchaffk); man steilte auf Grund von auBerlichen Ahnlichkeiten eine Abhangigkeit zwischen Essenern und Christen (AFGfrörer) oder zwischen dem Amt heidnischer Finanzaufseher (ènioxonoi) und dem christlicher Kirchenobern (EHatch) oder zwischen den religiösen Waschungen griechischer Mysterienreligion und der christlichen Taufe auf; man interpretierte alte Texte nach den Ideen und Gebrauchen unserer Zeit usw.

182. Regein für die historische Analogie. 1. Die historischen Texte oder Tatsachen, die in Beziehung gesetzt werden, sind vorher im einzelnen genau zu anaiysieren.

2. Ein AnalogieschluB darf nie einer sichern Tatsache oder Quelle widersprechen.

3. Um so mehr Wahrscheinlichkeit besitzt der AnalogieschluB, je zahlreicher die Übereinstimmungen in anderen Merkmalen sind. — Über den eigentlichen AnalogieschluB hinaus reichen noch folgende Regeln:

4. Die Aufstellung der Abhangigkeit von Texten oder Tatsachen ist nur dann berechtigt, wenn eine sichere Beziehung, ein greifbarer Zusammenhang nachgewiesen ist.

5. Im besondern ist die Übertragung von Anschauungen und lnstitutionen zu verwerfen, wenn nicht eine direkte Abhangigkeit nachgewiesen ist.

6. Die Abhangigkeit oder Entlehnung ist um so unwahrscheinlicher: 1) je allgemeinerer Natur die betreffenden Objekte sind und je inniger sie mit der menschlichen Natur und deren Gesetzen verwachsen sind, 2) je selbstatiger die menschlichen Urheber der Objekte waren, 3) in je gröBerm Gegensatz die beiden angeblich abhangigen Personen oder Parteien standen, 4) je höher die Kulturentwicklung zur Zeit des zweiten Objektes war, 5) je ausgepragter und individuelier die Zweckstrebigkeit des zweiten Objektes war.

§ 2. Die historische Hypothese.

183. Lit.: ENaville, La logique de Fhypothèse 1880; deSmedt 238—262; M deMunnyncks, L'hypothèse saentif. in Rev. Néoscolastique 6 (1899) 242—58. 337—51; WWundt, Logik 33 (s. Index); HPoincaré (Fu. LLindemann), Wissenschaft u. Hypothese 21906; vDunin-Borkowski (n. 175) 231—249 (ebd weit. Lit.).

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