Tekst
Onderstaande tekst is niet 100% betrouwbaar

geben. Das „Volk"—d.h.die minderbemittelten Schichten, die auch einmal ins Theater gehen wollten, — lebte also von den Brosamen, die von der Abonnenten Tische fielen.

Wie sehr der Hofadel und das konservative Bürgertum das deutsche Theater vor 1918 beherrscht haben, geht aus zwei Tatsachen hervor. Luise Dumont und Gustav Lindemann hatten, bevor sie sich in Düsseldorf niederliessen, den Plan, ihr Theater in Weimar, das Schiller und Goethe zu einen in der deutschen Geistesgeschichte unauslöschbaren Begriff gemacht haben, zu errichten. Aber die Verhandlungen scheiterten an dem Widerstand des Weimarer Bürgertums. Es wollte kein Schauspielerpaar in seinen Mauern haben, das die Kunst nicht nur als gesellschaftliches Bildungselement und als asthetisches Genussmittel sondern in erster Linie als lebensgestaltendes Element auffasste.

Als diese beiden grossen Bühnenkünstler endlich dank Unterstützung, die ihnen rheinische Industrielle gewahrten, ihr Schauspielhaus in Düsseldorf gebaut hatten, blieb die Stadt bis 1918 in zwei sich feindliche Lager gespalten. Als man Shakespeares „Was ihr wollt" in einer neuen Inszenierung Gustav Lindemanns aufführte, hatte man vielen Düsseldorfer Künstlern Karten umsonst ins Haus geschickt. Aber wie so oft in den ersten Jahren des Hauses, in denen meist vor der Bühne weniger Menschen zu sehen waren als auf der Bühne blieb der Zuschauerraum leer. Spater, als der Ruhm des Düsseldorfer Schauspielhauses weit über die Rheinprovinz hinaus feststand, erzahlte man sich noch gerne, wie Frau Dumont vor der ersten gut besuchten Vorstellung dem Dramaturgen und Dichter Wilhelm Schmittbonn sarkastisch zurief: „Heute haben es die armen Toilettefrauen endlich einmal gut!"

Nach dem Zusammenbruch des kaiserlichen Deutsch-

Sluiten