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„Atmungsorgane noch nicht so einseitig ausgebildet zu sein, indem sowohl Tracheen als auch „gleichzeitig kiemenahnliche in diesen Fallen ausstülpbare Blaschen zur Atmuug dienen." ïm gleichen Sinne hat sich Reuter (1909, p. 66—67; vergleiche auch Kautsch, 1910, p. 591) ausgesprochen.

Weder Heymons noch Reuter haben ausgeführt, wie man sich den indifferenten Ausgangszustand der Kiemen und Tracheenlungen etwa vorstellen soll. Uns scheint es, dass sobald man einen wirklich indifferenten Zustand annehmen will, dies nur auf Kosten derjenigen Spezialisierungen sein könute, worin die Kiemen und Tracheenlungen übereinstimmen und die gerade so auffallend sind. Das Interessante ist eben, dass Kiemen und Tracheenlungen die recht eigenartigen Lamellen gemeinsam haben, also den gleichen spezialisierten Zustand aufweisen.

Gegen die Auffassung von Heymons und Reuter spricht besonders die sehr nahe Verwandtschaft der Gigantostraken mit den Skorpioniden. Kassianow (1914, p. 173) hat aus ahnlichem Grimde diese Auffassung zurückgewiesen. Es ist hier eben kein Platz für eine indifferente, wenig spezialisierte Stammform; dazu sind die Gigantostraken und Skorpioniden einander gerade in ihren Spezialisierungen zum Teil zu sehr ahnlich.

So kommen wir zum Ergebnis, dass eine Ableitung der Atmungsorgane der Merostomen und Arachniden aus irgend einem indifferenten Ausgangszustand abgelehnt werden muss. Auch hier finden wir keinen annehmbaren Ausweg aus den Schwierigkeiten, welche der Limulus-Theoïïe aus den besonderen Verhaltnissen der Atmungsorganen der Arachniden erwachsen.

Und dies liegt daran, dass die Voraussetzungen, wovon die Limulus-Theovie Lankester's bei der Beurteilung der Atmungsorgane ausgeht, nicht zutreffende sind. Es ist namlich umrichtig, wenn man, wie Lankester und Kingsley, die Tracheenlungen der Arachniden ableitet von Kiemen, die an der Hinterseite von Gliedmassen liegen. Denn die Kiemen der Merostomen liegen nicht an der Hinterseite von Gliedmassen, sondern von Sterniten. Dies geht unzweideutig aus einer Betrachtung der Gigantostraken hervor, der ausgestorbenen, primitiven, und viel mehr skorpionidenühnlichen Vorlaufer von Limulus. Die Kiemen liegen hier zwar auf bewegiichen Platten an der Ventralseite des Abdomen, aber diese Platten sind keine richtigen Gliedmassen, sondern Sternite, wie sie auch die Bauchseite des Praeabdomen der Skorpioniden und anderer Arachniden bedecken. Diese Auffassung drangt sich beim Vergleich der Gigantostraken mit Skorpioniden ohne weiteres auf. Sie ist auch nicht neu, denn in der Literatur werden die Blattfüsse der Gigantostraken manchmal als Sternite bezeichnet, in neuerer Zeit z. B. von Sarle (1903, p. 1093) und von Clarke & Ruedemann (1912, p. 60, 65). Die drei letzten Blattfüsse der Gigantostraken sind immer ganz einfache Platten, ganz sterniten&hnlich, nur beweglich. Vergleicht man die Lage der Atmungsorgane, so zeigt sich, dass die Kiemen der Gigantostraken zu den Blattfüssen genau die gleiche Lage einnehmen wie die Tracheenlungen zu den Sterniten beim Skorpion. Ein Unterschied liegt hier nur in soweit vor als die Kiemen sehr viel grösser sind als die Blaffer der Tracheenlungen, und in einem viel grosseren Raume liegen, der statt durch ein enges Stigma, langs dem ganzen Hinter- und dem grössten Teil des Seitenrandes des Sternites mit der Aussenwelt in Verbindung steht. Man denke sich den Hohlraum der Tracheenlungen sehr stark erweitert; weiter die Stigmata am Hinterrande der Sternite liegend, — wo sie ja bei den Pedipalpi und den Araneae theraphosae gefunden werden, und vermutlich auch bei palaeozoischen Skorpioniden, wie Palaeophonus lagen — und so sehr verbreitert, dass die Stigmata eines Paares einander in der Medianlinie erreichen und den ganzen Hinterrand und einen grossen Teil des Seitenrandes der Sternite begleiten — dann hat man einen Zustand wie ihn etwa die Atmungsorgane und Blattfüsse der Gigantostraken aufgewiesen haben mussen.

Zu Gunsten dieses Vergleichs fallt schwer ins Gewicht, dass neben den Blattfüssen an den entsprechenden Segmenten keine Sternite bei den Gigantostraken vorhanden sind, wohl aber ein typischer Sternit am ersten darauffolgenden Segmente, wo kein Blattfuss auftritt.

Sowohl die nach oben gekehrte Seite der Blattfüsse wie die von diesen verdeckte Bauch-

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