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Die Bildung von Bogenfasern als primare Reflexbahn der vitalen (protopathischen) Empfindungen.

von

C. U. ARIËNS KAPPERS (Amsterdam).

Man nimmt im allgemeinen und aus guten Grimden an, dasz die ersten Reize, für welche die Haut empfindlich ist, die sogenannten vitalen Reize sind — d. h. solche, welche das Leben und Verhalten des Tieres beeinflussen.

Diese Reize, welche von Head deshalb auch wohl als protopathische Reize bezeichnet wurden (von protos — erst entstandene und pathein = fühlen), verlaufen, im Nervensystem

angelangt, auf gekreuzten (Bogen-)Fasern zu der anderen Seite hiniiber und werden dort

also auf die andere Seite des Körpers — effektuiert oder nach oben geleitet.

Neben diesen vitalen oder protopathischen Reizen entsteht mehr und mehr eine Empfindlichkeit für Reize, welche von Head als epïkritische Reize bezeichnet wurden — die man auch gnostische Reize nennen könnte. Es sind dies feinere (mehr kritische) Empfindungen, welche den Körper, das Leben selber, nicht direkt beeinflussen, denen gegenüber das Leben relativ indifferent steht.

Diese Reiz-Empfindlichkeit bildet sich erst spater aus, und zwar im Anschlusse an vitale Reize und deren Organe.

Head hat diese Einteilung nur für Hautempfindungen aufgestellt. Meines Erachtens gilt sie aber auch für die Empfindungen der höheren Sinnesorgane:

Der vitale Faktor in den Sinnesemptindungen des Labyrinthes ist der Gleicbgewichtsnerv, der N. vestibularis. Seine Empfindungen sind für die Haltung des Körpers, für die Gravitatsstatik (kurz Gravistatik) von direkter Bedeutung. Sie werden sofort effektuiert, und steigen nicht oder kaum zum Bewusztsein auf (werden gnostisch kaum verwertet).

Die epïkritische oder gnostische Empfmdung der Sinuesorgane des Labyrinthes ist das Gehör, vom N. cochlearis übermittelt, dessen Empfindungen für das Verhalten oder für die Haltung des Körpers meistens nur von wenig Gewicht sind, gnostisch aber (beim Menschen z. B.) höchste Bedeutung haben.

So hat auch das Auge vitale Komponenten. Die primitive Lichtempfindung, welche für die Photostatik wichtig ist, reguliert den Stand des Körpers in Bezug auf die Lichtquelle, auf das Licht im allgemeinen, und ist für das Leben — namentlich bei niederen Tieren, die für ihren Körper und ihre Nahrungssuche gewisser Lichtverhaltnisse bedürfen, von groszer Bedeutung.

Der gnostische Faktor des Lichtes, für die Erkenntnis der Welt (auch beim Lesen und Schreiben u. s. w.) ist ohne weiteres deutlich. Letztere wird nicht unmittelbar effektuiert aber, ins Bewusztsein aufgenommen, tragt sie bei zu unserem Weltbild.

Der vitale Faktor der Rautempjindungen ist die Wahrnehmung der groben Berührungen, der gröszeren Kalte oder Warme und des Schmerzes.

Hierauf wird wieder reflektorisch geantwortet, meistens durch Abwehrbewegungen.

Die vitalen Hautempfindungen dringen zwar ins Bewusztsein durch, namentlich der Schmerz, sie werden aber bald vermieden und zunachst nicht weiter gesucht, untersucht, d. h. nicht gnostisch verwertet.

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