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Die gnostischen Empfindungen des Körpers, der Haut (und der Muskelsensibilitat) ermitteln dagegen unsere Stereognosis, d. h. unsere Kenntnis des Raumes und der Objekte in dem Raume, insofern dieselben durch Betastung erkannt werden können (man denke an den Blinden).

Auf diese feinen, gnostischen Reize wird nicht notwendigerweise unmittelbar reflektorisch geantwortet. Sie werden auch nicht vermieden, im Gegenteil aufgesucht.

So viel über das, was die TJnterscheidung in vitale und gnostische Reize aubelangt.

In zweiter Instanz möchte ich darauf hinweisen, dasz die motorische Effektuierung, welche auf diese beiden Reizkategorien folgt, meistens sehr verschieden ist. Abgesehen noch davon, dasz vitale Reize mehr reflektorisch effektuiert werden als gnostische Reize, ist es auch eine bekannte Tatsache, dasz die motorische Antwort auf protopathische Hautreize meistens negativ ist, d. h. der Reiz wird vermieden. Dies gilt m. E. auch für vitale Sinnesempfindungen:

Die stark einseitige Empfindung einer Macula des Gleichgeiuichtsorganes wird vermieden, besser: korrigiert durch eine solche Veranderung der Körperstellung, dasz der Reiz wieder ins Gleichgewicht kommt mit anderen Reizen.

Die zu starke Lichtaufnahme, namentlich, wenn sie einseitig ist, wird korrigiert, vermieden. Viele photostatische Tiere: Fische, z. B. fliehen das starke Licht und leben im Halbdunkel.

Namentlich aber bei den Hautempfindungen ist die Negativit&t der vitalen oder protopathischen Reflexe klar (Sherrington).

Starke Kalte oder Warme, starke Temperaturschwankungen im allgemeinen, Schmerz, grobe Berührungen: auf alle diese Reize wird fast immer geantwortet mit negativen Beflexbewegungen, d. h. mit einem Entfliehen.

Dem steht gegenüber, dasz epikritische, gnostische Reize oft positive Reflexe zum Vorschein rufen. Man neigt sich dem Flüstern zu, den Lauten — wenn sie nicht durch ihre Harte in die Reihe der protopathischen fallen.

Das Auge sucht sich zu orientieren über das Wesen der Dinge, das es lockt, solange nicht die Harte des Lichtes abstöszt. Gerade ein sanft schimmerndes Licht reizt unsere Aufmerksamkeit, unsere Zuneigung.

Die Hand, die Fingerspitzen suchen die Erfahrung der tastbaren Wirklichkeit, wenn sie nicht schmerzt.

Den zwei Kategorien der Empfindungen entsprechen also im groszen und ganzen zwei Kategorien von Reflexen.

Weniger bekannt ist es, dasz ihnen auch zwei Kategorien von Fasersystemen im Zentralnervensystem entsprechen.

Namentlich für die Hautempfindungen ist dies in meisterhafter Weise ermittelt worden.

Unter den Untersuchern, welche sich dabei ein Verdienst erworben haben, nenne ich nur Edinger, Fabritius, Petrèn und Brouwer.

Wir wissen, dasz sich die vitalen Reize ini Rückenmarke fast sofort kreuzen, dasz dagegen die gnostischen Reize auf derselben Seite aufsteigen und absteigen, und sich auch in ihrem spinalen sensitivo-motorischen Refiex-Organismus nicht oder kaum kreuzen.

Die Auffassung, dasz die aufsteigenden sensiblen Wurzelfasern blosz dazu dienen, mittelst der Hinterstrangkerne und Thalamus die gnostischen Eindrücke auf das Vorderhirn zu projizieren, ist nicht richtig. Manche geben auch Kollateralen ab in die motorische Region des Rückenmarkes (überwiegend gleichseitig). Bei niederen Tieren ist dies sogar ihre Hauptfunktion. Bei der absteigenden Dichotomie jener Fasern ist dies überall die Hauptfunktion.

Eine Erklarung für dieses Verhalten ist indessen nie gegeben, sogar nie versucht worden. Weshalb zieht der vitale Reiz fast sofort auf die andere Seite des Rückenmarkes hinüber? Weshalb führen clie gleichseitig auf- und absteigenden Hinterwurzeldichotomien und deren überwiegend gleichseitige Kollateralen die der gnostischen Empfindungen ? Weshalb ist es nicht gerade umgekehrt im Rückenmark1?

Eine vollstandige Erklarung, auf Grund der in den letzten zehn Jahren ermittelten Gesetze der Neurobiotaxis und stimulogenen Fibrillation kann ich jetzt noch nicht geben, obschon einige Punkte uns auch jetzt schon dafür den Weg weisen.

Ich möchte hier zunachst hinweisen auf den Verband, der besteht zwischen diesen ver-

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