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b. Rhiptoglossa (Vermilinguia, C h a ma el e ont ia).

Die dem Subordo Rhiptoglossa entsprechende Familie Chamaeleontidae mit ihren nahe benaehbarten drei Genera Chamaeleo, Brookesia und Rhampholeon hebt sich in der Bildung ihres Zungenbeins, die bei allen drei Gattungen im Wesentlichen die gleiche ist, mehr von den Lacertilia vera ab, als diese von Sphenodon.

Dies liegt vornehmlich an der besonderen Configuration des Hyoidkörpers und des Proc. lingualis, die zufolge der eigenartigen Funktionierung> der Zunge der Chamaeleonten ihre eigentümliche Bildung erhalten haben. Der Proc. lingualis hebt sich nicht vom eigentlichen Körper ab und bildet mit ihm einen langen und kraftigen cylindrischen Stab von oberflachlich stark verkalktem Knorpelgewebe, welcher der über ihn gestülpten und ihn umfassenden Zunge als centrale Stütze dient und derselben zusammen mit der hochentwickelten Zungenmuskulatur und der synovialen ihn direkt umgebenden Scheide die bekannten, von zahlreichen Untersuchern eingehend beschriebenen Bewegungen ermöglicht. Wenn man, wie bei den Lacertilia vera, als eigentlichen Körper (Corpus sensu strictiori) denjenigen hintersten Teil des einheitlichen Stabes abgrenzt, von welchem die seitlichen Hörner abgehen, so ist der rostral vor ihm liegende Teil, der Proc. lingualis, 10 bis 15 mal langer und voluminöser als der eigentliche Körper, der eine besondere schwache ventrale Wölbung aufweist. Vorn und hinten endet das gemeinsame Gebilde stumpf.

Die beiden vom Körper, also am Ende des Stabes, abgehenden Hörnerpaare folgen dicht auf einander und treten in ihrer Grosse bedeutend gegen den Stab zurück. Das vordere Paar, Cornu hyale, besteht aus zum Teil verkalktem Knorpel und verlauft vom Körper aus überwiegend in lateral-dorsaler und ein wenig rostralwarts gehender Richtung, um ohne Verband mit dem Schadel oder dem columellaren Apparat frei zu enden. Hierbei weist es eine deutliche Gliederung auf, welche den kürzeren ventralen und den langeren dorsalen Teil (Schenkel), obwohl dieselben in gerader Linie (also in gestrecktem Winkel) verlaufen, doch gut von einander unterscheiden lasst; der dorsale Teil ist zugleich ein wenig schlanker als der mit dem Körper continuirlich verbundene ventrale und lauft dorsal spitz aus. — Das hintere Hörnerpaar, Cornu branehiale L, ist grossenteils verknöchert und hebt sich dadurch scharf und discontinuirlich vom Ende des Körpers ab. Ahnlich dem hyalen Horn verlauft es lateraldorsal mit einer geringen caudalwarts gehenden Neigung. Vermöge seiner Knochenstructur ist es leistungsfahiger als das Cornu hyale, auch ein wenig langer und bei Chamaeleo ein wenig starker oder ihm gleich stark, wahrend ich es bei Brookesia und Rhampholeon eher etwas schwacher als das hyale Horn finde. — Reste eines Cornu branehiale II. wurden weder im ventralen noch im dorsalen Bereiche gefunden. Eine sehr junge Stadiën berücksichtigende ontogenetische Untersuchung steht noch aus; was Parker (80) darüber mitteilt, beschaftigt sich mit alteren Stadiën, die vom ausgewachsenen Tiere keinen wesentlichen Unterschied aufweisen.

Der eigentliche Körper liegt in der Höhe des Kehlkopfes (Cricoid), diesen stützend; gleich caudal hinter ihm ragt der übrigens bei der Mehrzahl der Chamaeleontiden nicht zur Ausbildung gekommene Kehlsack hervor (vergl. hierüber namentlich Wiedersheim (86), Tornier (04, 05), Werner (11) und Germershausen (13)).

Das Zungenbein der Rhiptoglossa gibt sich in der Hauptsache nicht allein als eine eigenartige, sondern auch als eine höhere Bildung der Lacertilier zu erkennen, wie überhaupt der ganze Bau der Chamaeleontia sich überwiegend als Summe höherer und spezieller Differenzierungen darstellt. Das beherrschende Moment bildet hierbei der zur Zunge in direkterer Beziehung stehende Teil, und es ist bewundernwert, wie machtig und tiefgreifend der Einfluss der Zunge und ihrer Bewegungen auf das ganze Zungenbein eingewirkt hat. Man konnte auch hier von Allmacht der Naturzüchtung sprechen. Dass die Anfange der chamaeleontiden Bildung von einem nach Art der Lacertilia vera gebauten Hyoid abzuleiten sind,-darf angenommen werden; ob eine rationelle, von den frühesten Stadiën ausgehende embryonale Untersuchung hier Aufklarung geben wird, ist abzuwarten. Auf vergleichend-anatomischem

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