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Alles Individuelle erhilt den historischen Wert erst durch die Einwirkungen, die es auf eine Gesamtheit ausübt oder aus ihr empfangt Die Einzelheiten der Tagesarbeit oder des Familienlebens von Einzelindividuen gehören deshalb nicht in die Geschichte, wenn diese Einzelheiten nicht das Wesen oder Werden irgend einer Gemeinschaft oder irgend welcher Gemeingüter betreffen.

Für die Weltgeschichte ist es z. B. belanglos, welch einen Unterrichtsgang ein unbekannter Knabe der karolingischen Kaiserzeit durchmachte oder welches das Empfangszeremoniell irgend e i n e s byzantinischen Patriziers war. Anders aber, wenn wir die beiden Tatsachen als typische Beispiele für das betreffende Kulturzentrum, innerhalb dessen die erwahnten Personen standen, betrachten. Das erste Beispiel bildet so einen wichtigen Beitrag zur Erkenntnis des karolingischen Unterrichtswesens, das andere zur Erkenntnis der sozialen Stellung des byzantinischen Adels.

Der Grund, weshalb die geschichtliche Forschung sich nur mit Betatigungen der Menschen als sozialer Wesen beschaftigt — wohlgemerkt, nicht mit den sozialen Betatigungen — ist dieser: das nahere Ziel der geschichtlichen Entwicklung ist die Vervollkommnung der menschlichen Gesellschaft und damit auch der Einzelnen. Deshalb müssen auch alle Einzelteile der geschichtlichen Entwicklung irgendwie auf diesen Zweck hinzielen. Sie tun dies aber nur insofern, als sie sozialen Charakter tragen, d. h. insofern sie durch ein gemeinsames Ziel, gemeinsames Interesse und eine gemeinsame Leitung verbunden sind.

5. 4. Aber auch die Betatigungen der Menschen als sozialer Wesen gehören noch nicht schlechthin zum Objekt der Geschichte, sondern nur diejenigen, die von Bedeutung sind. Von Bedeutung ist aber nur das, was die Entwicklung einer sozialen Gemeinschaft in einer weitere Kreise interessierenden Weise 'beeinfluBt und deshalb wissenschaftlich von Wichtigkeit sein kann. Je umfassender die soziale Gemeinschaft ist, desto wertvoüer wird die Geschichte. So steht die Geschichte einer Gemeinde über der Geschichte einer Familie; höher als jene steht die Geschichte eines Staates, noch höher die universale Geschichte der menschlichen Gesamtheit. Der oben gebrauchte Ausdruck bedeutsam empfiehlt sich besser als der Ausdruck wertvoll, weil er. den AusschluB der bösen und der üblen Ereignisse verhindert

6. 5. Unter dem Namen Betatigungen, der a potiori gewahlt ist, fassen wir nach dem Vorgange Bernheims alle menschlichen Bekundigungen zusammen, welche die vorhin besprochenen Bedingungen aufweisen, die also raumlich und zeitlich bedingt sind, sozialen Charakter haben und- sozial bedeutsam sind. Sie können eingeteilt werden:

1) nach dem handelnden Prinzip in rein innere (wie Denkund Willensakte) und auBere oder gemischte Betatigungen.

2) nach der Aufeinanderfolge oder dem anscheinend ruhigen Nebeneinander in flieBende und in scheinbar ruhendeoder zustandli che. Zustande sind ja in Wirklichkeit nur aufgehaufte, gleichsam als summarisch betrachtete Endresultate von einzelnen menschlichen Betatigungen, wie z. B. der Zustand der Qesetzgebung, der Wissenschaft, der Volkswirtschaft. In der Tat ist kein Zustand stationar, sondern aus einer Summe von Betatitigungen entstanden, erhalt er sich nur durch neue von einander verschiedene

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