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1. Die erste Eigenart der geschichtlichen Erkenntnis besteht darin, daB ihr Objekt zunachst und direkt singulare Tatsachen sind, nicht aber allgemeine von den individuellen Bestimmtheiten abstrahierte Begriffe. Die geschichtlichen Tatsachen mit ihren raumlichen und zeitlichen Sonderheiten, mit dem von singularen Willensentschlüssen verursachten Eigencharakter, mit ihren singularen Beziehungen können nicht von diesen individuellen Bestimmtheiten losgelöst werden, ohne ihr eigenes Wesen zu vertieren. Und wie die einzelnen Tatsachen — möge es sich um Einzelwesen oder Kollektivmassen handeln — in der Oeschichte stets singularer Natur sind, so tragen auch die einzelnen Ereignisreihen wegen der angegebenen Gründe in ihrem ursachlichen Verlauf einen durchaus singularen Charakter, der in sich ein anderer sein konnte und in seiner Eigenheit vor dem tatsachlichen Eintritt von uns nicht konkret zu bestimmen war. Deshalb ist die geschichtliche Erkenntnis wesentiich verschieden von der naturwissenschaftlichen, welcher die individuellen Objekte nur dienen, um das Gemeinsame zu abstrahieren und die notwendigen Gesetze festzustellen, nach denen die Vorgange der Natur sich abspielen und aus denen sie gefolgert werden können. Die geschichtiichen Tatsachen hingegen können wir vor ihrem Eintritt nicht notwendig folgern, sondern nach demselben nur insoweit erklaren, als das tatsachliche Hervorgehen aus dem ursachlichen Tatbestand mit dem übereinstimmt, was wir in ahnlichen Fallen über den gewöhnlichen Verlauf der freien Kausalitat wissen; deshalb können wir für die Geschichte auch keine eigentlichen Gesetze, sondern nur gewisse RegelmSBigkeiten aufstellen. 40. 2. Von der philosophischen Erkenntnisweise im besondern unterscheidet sich die geschichtliche weiterhin durch folgende Momente.

a) Der Philosoph geht zumeist mittels strenger, mit Sicherheit schhefiender Syllogismen voran. Die neuen Wahrheiten, die er aufstellt, sind für gewöhnlich sichere SchluBfolgerungen aus anderen bereits bekannten sicheren Wahrheiten. Für den Historiker hingegen sind die neuen SchluBfolgerungen seiten das deduktive Endresultat eines abstrakten Syllogismus, sondern sehr haufig das, freilich wissenschaftlich begründete, Resultat von Hypothesen, die mehr durch eine Art Intuition ais durch Deduktion aufgestellt wurden. Diese Intuition ist vielfach nichts anderes, als das, was man im gewöhnlichen Leben den gesunden praktischen Verstand nennt AuBer der Hypothese bedient sich der Historiker in zabireichen Fallen noch eines andern WahrscheinlichkeitsschluBes, namlich der Analogie; vgl. unten 2. Hauptteil, Vorbem.

b) Der Philosoph nimmt seine Kenntnis von innen, der Historiker von auBen, namlich mittels der Quellen her. Eine Quelle ist namlich ein formelles Zeugnis oder ein schluBtragender Überrest Das erstere beruht aber hauptsachlich auf der Erfahrung anderer, und so ist es denn diese, die uns das Material der geschichtiichen Forschung bietet; die apriorischen Operationen dieser dienen nur der Sicherstellung des von auBen Gegebenen. Und auch bei den Rückschlüssen aus den Überresten ist das Streben des Historikers darauf gerichtet, das vom Urheber innerlich und auBerlich Eriebte wieder zu rekonstruieren.

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