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c) In der historischen Beweisführung tritt haufig der Fall ein, daB die einzelnen Beweise nur eine ganz geringe Wahrscheinlichkeit ergeben, daB dagegen aus der Oesamtheit der Beweise eine zwingende geschichtliche These geschluBfolgert werden kann. Die Argumente gleichen dann verschiedenartigen Indizien, die alle auf dieselbe geschichtliche Wahrheit hindeuten, und deren Ubereinstimmung nur in der geschichtlichen Tatsache selbst ihren hinreichenden Grund haben kann (vgl. z. B. die Katakombenforschung JBdeRossis). An sich ergibt die Summe noch so vieler Wahrscheinlichkeiten nie mehr ais eine Wahrscheinlichkeit und die Haufung wahrscheinlicher Argumente nie eine sichere SchluBfolgerung, es sei denn, daB in einem seltenen Falie auch hier dieselbe Tendenz der verschiedenartigsten Argumente nur durch die objektive Wahrheit der SchluBfolgerung erklart werden kann.

41. d) Für den Fall, daB einer dem Verstand als sicher erscheinenden SchluBfolgerung noch eine positive Schwierigkeit entgegensteht gibt der Verstand bei der geschichtlichen Betrachtung leichter als bei der philosophischen seine sichere Zustimmung, und dies aus dem Orunde, weil er aus Erfahrung weiB, daB bei der erstem oft nur hier und jetzt die Erkenntnismittel fehlen, um die Brücke zwischen den anscheinend widersprechenden Tatsachen aufzufinden und daB die Zukunft vielleicht schon bald ein neues Beweismittel bieten wird, um die Schwierigkeit ganz zu beheben.

§ 4. Wert und Bedeutung der historischen Methodik.

42. t; Die historische Methodik ist schon im allgemeinen von groBem Wert für jeden Gebildeten. Jeder ist in seinem Berufe und in den Geschaften des taglichen Lebens auf Berichte, Mitteilungen, Lehren anderer angewiesen. Kennt er deshalb nicht die einfachsten Regeln, welche die Glaubwürdigkeit derselben dartun, so ist er vielen Irrtümern ausgesètzt.

2. Die Kenntnis der historischen Methodik ist sodann notwendig für jede wissenschaftliche historische Untersuchung. Es bedarf einer gewissen methodischen Fertigkeit, um das gesamte bezügliche Quellenmaterial zu sammeln, sodann um dieses Material kritisch zu sichten und zu werten und vor allem um es genetisch zu erfassen. Ein autodidaktisches Verfahren ist endlosen Irrtümern ausgesètzt, ganz abgesehen vom groBen Zeit- und Energieverlust Selbst die einfachsten Dokumente alterer Zeit bieten eine solche Fülle von Problemen sprachlicher, geschichtlicher, literarisch-kulturgeschichtlicher Art, daB ein nicht geschutter Laie sie nicht einmal zu erkennen, geschweige denn zu lösen vermag. Und doch ist die Lösung all jener Probleme für eine adaquate Erkenntnis der objektiven Geschichte einfach notwendig.

43. 3. Die historische Methodik ist im besondern nützlich und notwendig für die philosophisch-theologischen Studiën. Diese werden an den wissenschafflichen Stand der Philologie, der Literaturgeschichte, der allgemeinen Geschichte — ganz dem objektiven Sachverhalt nach — angeglichen. Die Verbindung der rein spekulativen Methode mit der historisch-kritischen bewahrt vor den Einseitigkeiten, die der exklusive Betrieb der einen oder andern Methode mit sich bringt

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