Tekst
Onderstaande tekst is niet 100% betrouwbaar

Wahrheitsliebe muB ferner den Mut des Forschers in den Schwierigkeiten seiner Arbeit aufrechterhalten, ihm einen. Wall gegen die eigenen Vorurteile bilden und eine Stlrke bei ungerechten Angriffen bieten.

2. Eine andere notwendige Eigenschaft ist die Ob j ekti vitSt. Die Persönlichkeit des historischen Forschers hat eine Bedeutung für seine Arbeit, wie die keines andern Forschers für sein Werk. Die Objektivitat zeigt sich in der Freiheit von Vorurteilen, besonders solchen, die durch die Jugenderziehung und die Umwelt eingepflanzt wurden, und in der Freiheit von ungeordneten persönlichen Affekten, die das Urteil des Verstandes trüben.

48. 3. Ein weiteres Erfordernis, das an den historischen Forscher zu stellen ist, ist ein gesundes kritisches Urteil, das die Untersuchung in Ruhe und Klarheit leitet, das zwischen Wesentlichem und Unwesentlichem zu unterscheiden weiB, das gleichsam intuitiv die Wahrheit dort erfaBt, wo sie am leichtesten zu erweisen ist

Dem gesunden kritischen Urteil stehen zwei Extreme enigegen: ein Mangel an Kritik und eine Hyperkritik. Der Mangel an Kritik beruht teils auf einer Art Leichtgliubigkeit, teils auf einer falsetten Sucht nach AuBergewöhnlichem, teils auf selbstsüchtiger Oewinnsucht, teils auf der Scheu vor dem Lichte der Kritik, teils auf einem engherzigen Hyperkonservatismus, der die Kritik als die natürliche Feindin aller heiligen und teueren Uberlieferungen und als Urheberin gefShrlicher Zweifelsucht betrachtet, teils auf einer Oeungschatzung der mit der Forschung notwendig verbundenen Kleinarbeit, von der das Wort des hl. Hieronymus gilt: non sant contemnenda quasi parva, sine quibus magna constare non possunt (Ep. 107 ad Laetam 4, CSEL 55, 205). Den Anhangern des falschen Konservattsmus ist aber der bereits eingangs erwahnte Satz Leos XIII entgegenzuhalten: Veritatis (enim) splendore ecdesia gaudet eoque tantum auspice historia fit vitae magistra. Deshalb sind auch dem Volke die wahren Endergebnisse der historischen Forschung mitzuteilen, wenn auch mit schonender Vorsicht und stufenweisem Verfahren; denn auch hier gilt das schöne Wort: Reverentia debetur puero. ...

Andrerseits muB jedes UbermaB an Kritik (Hyperkritik) als falsche Kritik verurteilt werden. Sie zeigt sich in einer einseitigen Uberschatzung der auBern Kritik, in einem Aufgehen in Kleinigkeiten unter Vernachlassigung der inneren Zusammenhange, vor allem aber in Neuerungssucht und dem Streben, alt Überliefertes auch ohne beweiskraftige Oründe zu zerstören, namentlich der Kirche gegenüber. Diese falsche Kritik ist allerdings die Feindm wahrer Wissenschaft und dient nur dem Irrtum.

§ 6. Hilfswissenschaften.

49. Von den Hilfswissenschaften der historischen Methodik, deren Literatur unten n. 165 ff angeführt wird, sind folgende zu erwahnen:

1. Von den ph i 1 oso ph isch en Wissenschaften dient im besondern die Dialektik der logischen Richtigkeit des_ historischen Denkens, die Psychologie der Kritik der Entstehung, Überlieferung, Bewertung der Quellen sowie der ErschlieBung der inneren Zusammenhange; letzterer dient auch die Metaphysik, besonders die Ursachenlehre.

2. P h i 1 o 1 o g i e: 1) als Wissenschaft vom eigenartigen Geistesleben eines Volkes, soweit dasselbe in Sprache und Literatur seinen Ausdruck gefunden hat, 2) als philologische Methodenlehre.

Sluiten