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Natur aus stumm. Weil sie aber geeignet sind, durch das Mittel der menschlichen SchluBfolgerung vom historischen Objekt Zeugnis abzulegen, dürfen wir sie füglich virtuette Zeugnisse nennen. Es können z. B. aus den sprachlichen Überresten Resultate für die Eigenart eines Volkes oder seine Beziehungen zu anderen Vólkern gewonnen werden, aus den Namen von Flüssen, Oebirgen, Landern, Orten können mit Hilfe der Namenkunde oft wichtige Schlüsse auf die Namengeber, auf die Zeit der Namengebung und andere historische Vorgange gezogen werden.

2. Die redenden Quellen sind alles, was uns von den Begebenheiten mittelbar durch das menschliche Zeugnis überliefert ist, d. h. was durch die menschliche Auffassung hindurchgegangen und wiedergegeben ist Diese Quellen fallen also mit den sogenannten formellen Zeugnissen zusammen. Sie sind alle durch die mehr oder weniger klar hervortretende Absicht geleitet, die Begebenheiten dem Gedachtnis naher oder ferner interessierter Personen oder Kreise, sei es der Gegenwart sei es der Nachwelt, zu überliefern.

87. Aus den nachstehenden Erörterungen wird sich ergeben, daB manche Quellen nach verschiedener Rücksicht verschiedenen Klassen zugeteilt werden müssen, da ihre begrifflichen Grenzen in einander überflieBen. Deshalb ist eine Einteilung, welche die einzelnen der Wirklichkeit angehörenden Quellen stets auch begrifflich gegeneinander absondern will, nicht möglich.

So sind alte Münzen, die in der Erde oder unter Schutt ausgegraben werden, oft unter einer Rücksicht direkte Berichte — denn sie tragen haufig das Bildnis eines bestimmten Regenten, einer Stadt oder dgl, oft auch eine historische Inschrift — als Überreste aber -lassen sie oft au? gewaltsame Ereignisse, wie eine Schlacht, einen Brand, einen Raub oder dgl schlieBen und gewahren zudem Aufklarung über das Münzwesen der betreffenden Periode. Es kann uns eine altrömische Inschrift als redende Quelle Zeugnis von einer historischen Tatsache geben, als Überrest bietet sie AufschluB über altrömisches Inschriftenwesen, Schriftwesen, altrömische Kultur. Eine agyptische Papyrusurkunde der römischen Periode kann uns einen historischen Kaufvertrag mitteilen, zugleich können wir aus ihr Resultate für die Oeschichte des damaligen Rechts-,' Urkunden-, Schriftwesens erschlieBen. Die Akten einer Reichstagssitzung des MA melden uns etwa von politischen Ereignissen und wichtigen Beschlüssen, als Überreste gestalten sie uns einen Einbiick in die damaligen Verfassungsverhaltnisse, geistigen Strömungen, kultureilen Zustande überhaupt.

88. An dieser Stelle sei bereits darauf hingewiesen, daB der besagte Unterschied zwischen sachlichen nnd redenden Quellen für die methodische Behandlung der Quellen von der weittragendsten Bedeutung ist da eben das Verhaitnis der beiden Quellengattungen zu den Tatsachen selbst grundverschieden ist und daB die Vernachlassigung des Unterschiedes in der historischen Forschung die übelsten Folgen haben kann.

A. Die sachlichen Quellen (Überreste) oder virtuellen Zeugnisse.

89. Zu den sachlichen Quellen oder Überresten, d. h. den Quellen, die unmittelbar von den Begebenheiten uns erhalten sind, rechnen wir (vgl WWundt, Logik des Oeisteswissenschaften 3 [1908] 374 f):

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