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Klasse gehort die groBe Zahl der mündlichen Zeugnisse des gewöhnlichen Lebens an, sowohl die unmittelbaren als vide mittelbare, diese jedoch im allgemeinen mit wenigen Mittdgliedern; denn es ist bei dner rein mündlichen Überlieferung sdten möglich, eine gröBere Zahl von Mittdgliedern im einzelnen festzustellen.

104. b) in eine anonyme Überlieferung, die vor allem das Gerücht, vide Anekdoten und historische Sprichwörter umfaBt.

Unter Gerücht verstehen wir eine namenlose mündliche Überlieferung über Ereignisse der Oegenwart, besonders solche aufregender Natur. In bewegten Zeiten namentlich genügen wenige Tage, oft nur wenige Stunden, um ein Ereignis durch das Gerücht zur Unkenntlichkeit zu entstellen und dasselbe im Volksglauben derart zu befestigen, daB selbst die überzeugendsten Widerlegungen nichts dagegen ausrichten. Eine Anekdote ist die Erzahlung eines Vorganges aus dem Privatleben einer bedeutenden Persönlichkeit, der sich der öffentlichen Kenntnis entzieht. Bei den Anekdoten ist oft eine Ubertragung auf andere Personen und Verhaltnisse zu beobachten. Das historische S p r i c h w o r t ist eine historische Redensart, welche einen irgendwie bedeutenden Vorgang oder eine historische Erfahrung in einen kurzen pragnanten Ausdruck kleidet. Mit dem Sprichwort verwandt sind die Geflügelten Worte historischen Inhaltes.

Viele Beispiele für die drei letzten Arten mündlicher Überlieferung s. bei WLHertslet-HHelmolt, Der Treppenwitz der Weltgeschichte *1905, SWidmann, Qeschichtsd 1891, GBüchmann, Geflügelte Worte 211904.

105. b. Mündliche Überlieferung über entfernte Ereignisse. Diese Überliderung kann uns entgegentreten:

a) als dgentliche Volks überliderung, mit der die Überliderung bei ungebildden Vólkern nahe verwandt isi Die Form, in der die Überliderung uns begegnet, ist teils die Sage, teils die Mythe, tdls die Legende.

Die Sage (ahd Saga) bedeutd erstlich die gesprochene Geschichtserzahlung im Gegensatz zum gesungenen historischen Lied. Heute versteht man allgemein unter Sage eine Einzelerzahlung, mdst poetischen Gehalts, über einen Vorgang der Vergangenheit aus dem Volksmunde, die allmahlich Gemeingut einer gröBern Gemeinschaft geworden ist Die Volkssage Hebt es, ihre Ereignisse in möglichst graue Vorzeit zu verlegen, wo die Kritik sie nicht erreichen kann. Um so üppiger gedeiht sie bei einem Volke, je weniger der geschichtliche Sinn entwickelt ist. Namentlich haben es die Völker gdiebt, groBe Minner der Vorzdt oder berühmte Orte mit einem Kranze von Sagen (besonders Lokalsagen) auszustatten.

Eine weit verbreitete Art dieser Sagen sind die sogen. atiologischen Sagen, d. h. durch einen historischen AnlaB hervorgerufene Sagen. Den AnlaB bilden oft alte Denkmaler, sonderbar geformte Hügel (Hünengraber) oder Oesteine (Gesichtsformen), nicht mehr verstandliche Namen von Personen oder Orten, alte Einrichtungen oder Gesetze und dgl.

Viele Sagen haben den Charakter einer W a n d e r sage angenommen, d. h. sie werden von einer Person, einer Zeit, einem Ort auf andere Personen, Zciten, Orte übertragen. Solche Wandersagen sind z. B. die Alexandersage, die Gralsage, manche indische Sagen, die besonders zur Zeit der Kreuzzüge den Weg ms Abendland fanden.

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