Geen zoekvraag opgegeven

Tekst
Onderstaande tekst is niet 100% betrouwbaar

198. 2. Innere Berechtigung und Notwendigkeit der historischen Induktion. 1. Die

innere Berechtigung der historischen Induktion folgt aus dem Kausalitatsprinzip, nach dem einer bestimmten Ursache unter- bestimmten Umstanden eine bestimmte Wirkung folgt, und aus der praktischen Erkennbarkeit jener Ursachen und Wirkungen, d. h. in unserm Falie der Ursachen bzw Wirkungen eines gewissen regelmafiigen menschlichen Handelns.

2. Die Notwendigkeit ergibt sich 1) aus der Notwendigkeit des praktischen Lebens und des gesellschartlichen Verkehrs. Alles gesellschaftliche Leben kann namlich nur dann bestehen, wenn die Menschen ein gewisses MaB von praktischer OewiBheit gegenüber den künftigen Vorgangen im menschlichen Verkehr besitzen. Diese OewiBheit ist aber unmöglich ohne die Voraussetzung einer gewissen GesetzmaBigkeit bzw Regelmafiigkeit des menschlichen Handelns.

2) Desgleichen erfordert das Wesen der Oeschichte als Wissenschaft und vor allem das Wesen der Geschichtsphilosophie und anderer verwandter Wissenschaften, wie Gesellschaftslehre, Völkerkunde, Nationalökonomie, daB uns die Natur der geschichtlichen Erscheinungen sowie ihre Ursachen und Qesetze erschlieBbar sind. Ohne induktives Verfahren können wir aber zu dieser Erkenntnis nicht gelangen.

3) Endlich verlangt dieGeschichte als Leh rm e i st erin des Lebens, als die sie allgemein angesehen wird, daB wir viele historische Vorgange und ihre Entwicklung mit Sicherheit voraussehen können.

199. 3. Die Anwendung der historischen Induktion. 1. DaS Verfahren der

historischen Induktion ist im wessentlichen dasselbe, wie bei der allgemeinen Induktion; nur darf der Charakter der der Induktion dienenden frei en Tatsachen nicht übersehen werden. Wegen dieses Charakters ist auch der Erkenntnisgrad der gewonnenen Gesetze nur der einer moralischen GewiBheit oder selbst nur einer Wahrscheinlichkeit

2. Um den Kausalnexus historischer Tatsachen festzustellen, kann man sich auch bei der historischen Induktion mit Erfolg der vier von Stuart MUI gelehrten Methoden, namlich der der Ubereinstimmung, der der Unterscheidung, der der Reste oder Rückstande, der der begleitenden Veranderungen bedienen.

3. Wenn auch die historischen Gesetze manchmal mit moralischer Sicherheit auf das Eintreffen kfinftiger Einzelfalle angewandt werden können, so liegt ihre Hauptverwendung doch auf dem Gebiete der Interpretation der schon eingetretenen Vorgange und Zustande. — lm besondern sind noch folgende Regeln beachtenswert:

4. Man hüte sich, im historischen Geschehen zu viel GesetzmaBkejt zu suchen; der Bliek für das Tatsachliche würde dadurch getrübt. Es ware eine Illusion, der Erwartung zu leben, man werde historische Qesetze im Sinne letzter Verallgemeinerungen aufstellen können, aus denen unmittelbar alles geschichtliche Qeschehen sich herleiten lieBe.

5. Die einzelnen Olieder der dem Beweis dienenden Tatsachenreihe mussen vorher nach den Regeln der Kritik genau gewertet werden.

6. Das SchluBverfahren gewinnt an Wahrscheinlichkeit, je mehr die Objekte in den wesentlichen Merkmalen übereinstimmen und in den nicht

5*

Sluiten