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und mit beiden noch nicht die Glaubwürdigkeit der Quelle gegeben: auch eine authentische und unversehrte Schrift kann die Wahrheit entstellen. Die Glaubwürdigkeit aber laBt sich nicht vollkommen erkennen, wenn nicht zugleich die Unversehrtheit erwiesen ist; denn auch eine echte und an sich zuverlassige Quelle kann nachher wesentliche Anderungen erlitten haben. Wenn sich also die entsprechenden Bedingungen bezflglich der Tatsachlichkeit d. h. bezüglich der Echtheit und Integritat einer Quelle und ihrer konkreten Glaubwürdigkeit bewahrheiten, so müssen wir den Quelleninhalt als wahre Tatsache annehmen; denn die Bewahrheitung jener Bedingungen kann nur in der Tatsachlichkeit des bezeugten Quelleninhaltes ihren hinreichenden Grund haben.

208. NB. Einige Autoren vertreten die Ansicht, die Kritik könne nur die Tatsachlichkeit der Quellen, nicht aber die Tatsachlichkeit der Ereignisse selbst feststellen. So verteidigt vor allem OLorenz (Die Geschichtswissenschaft in Hauptrichtungen und Aufgqben [1891] 291 ff) den Satz, Aufgabe der historischen Kritik sei allein, die Überlieferung zu sichten und zu ordnen. Die Frage der Tatsachlichkeit der Ereignisse selbst werde nur durch unser subjektives Verhaltnis zu den Berichterstattern entschieden, d. h. durch unser auf der Persönlichkeit dieser gegründetes moralisches Vertrauen oder MiStrauen, nicht aber durch Kriterien, die im Bericht selbst begründet seien.

209. 2. Vielfaltigkeit und Einheit der Akte der historischen Methodik. Das Ge-

samtverfahren der historischen Methodik ist ein verwickeites und vielverzweigtes. Es umfaBt eine groBe Reihe von Operationen der Heuristik, der Kritik, der Synthese, die in der Praxis nicht für sich isoliert oder der Reihenfolge nach angewandt werden, sondern sich oft durchkreuzen, da sie sich gegenseitig stützen und erganzen.

So wird z. B. die Heuristik oft durch die Interpretation veranlaBt, den Umfang des zu sammelnden Quellenmaterials zu erweitern; die Quellenkritik bedarf, um die Tatsachlichkeit der Quellen oder Ereignisse zu erweisen oder um die ursprüngliche Oestalt der Quellen wieder herzusteilen, haufig der Synthese. Die Operationen. der au/Sern Quellenkritik benötigen oft der der innern Kritik, wie diese wieder jene voraussetzen; die Sinnerklarung kann nicht durchgeführt werden, ohne daB eine stete Kritik der Zeugnisse, ein steter Vergleich der verschiedenen Arten des Sinnes untereinander, einen stete Bezugnahme auf die anderen Funktionen der Synthese nebenhergehen.

210. In der Praxis verschmelzen also alle diese Akte zu einer Einheit, zu einem einheitlichen Gesamtverfahren, dessen letztes Ziel die Erfassung der objektiven Wahrheit der historischen Tatsachen ist Beim geübten Methodiker werden sich darum auch jene Akte schnell und leicht abspielen, weil er eben durch gewohnheitsmaBige Übung die Methodik als einheitliche praktische Kunst erworben und damit jene Eigenschaft erlangt hat, die wir den kritischen Sinn nennen. Vor der Aneignung der kunstgemaBen Anwendung sind wir aber gezwungen, das Gesamtverfahren in seine einzelnen Akte zu zerlegen und sie in ihrer Isoliertheit zu studieren. An sich laBt sich die Interpretation oder die Erklarung des Sinnes der Quellen sowoht bei der Quellenkritik als bei der Synthese behandeln. Aus praktischen Gründen beziehen wir sie in das Gebiet der Synthese ein.

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