Tekst
Onderstaande tekst is niet 100% betrouwbaar

Manche bezeichnen mit dem Ausdruck Authentizitat zugleich die Eigenschaft einer Quelle, gemaft deren sie Glauben verdient; sie gebrauchen den Ausdruck also im Sinne von Qlaubwürdigkeit. Um jedoch jede Zweideutigkeit zu meiden, wenden wir die Ausdrücke authentisch, Authentizitat nur im Sinne von Echtheit an. Von den Frage aber, ob eine Quelle inhaltlich die Wahrheit enthalt oder nicht, sehen wir in diesem Kapitel ginzlich ab, weil die Untersuchung dieses Problems zur Kritik der Glaubwürdigkeit gehort Wenn auch meist eine unechte Quelle zugleich eine inhaltlich unglaubwürdige Quelle ist so wird doch die Unechtheit eines Zeugnisses an sich nicht allein durch die Unwahrheit der bezeugten Tatsachen entschieden.

Nicht als Falschungen int technischen Sinne sind Erdichtungen von Quellen zu bezeichnen, die nur den Erweis erbringen wollen, daB auch eine tauschende Nachahmung von Zeugnissen möglich sei, die aber zugleich nur unter der Voraussetzung angefertigt werden, daB die Fiktion nachher zugestanden wird. Ein gelUngenes Beispiel solcher Erdichtungen war der angebliche HexenprozeB, den WMeinhold 1843 unter dem Titel Maria Schweidler, die Bernsteinhexe nach einer angeblichen Handschrift ihrs Vaters, des Pfarrers ASchweidter in Cosinow auf Usedom, veröffentlichte; andere Beispiele s. bei Tobler 340.

3. Hat eine Quelle nicht den Ursprung, den man ihr vereinzelt oder auch gemeiniglich zuschreibt, so liegt ein Irrtum (Verkennung) vor, der aber oft durch eine sachkundige Anwendung der Grundsatze der Quellenkritik leicht zu beheben ist

214. 4. Sowohl die Falschung (Verunechtung) als der Irrtum (Verkennung) der Quellen können total oder partiell sein, d. h. Falschung wie Irrtum können sich auf das Ganze der Quelle oder auf nur einen Teil davon erstrecken. Die p a r t i e 11 e Verunechtung kann vom Urheber einer sonst genuinen Quelle selbst oder von einem spitern Falscher ausgehen. Die Form der partiellen Falschung ist die einer reinen Erfindung der apokryphen Stelle oder die einer wesentlichen Anderung einer echten Stelle oder endiich die einer Auslassung von wichtigen Bestandteilen des Textes.

Von den partiellen Verunechtungen bezeichnet man dienachtrlglichen Einschiebsel oder Ersatzstücke, die behufs Tauschung im ursprünglichen Texte echter Quellen von fremder Hand eingefügt werden, als Interpolationen. Ihr niherer Zweck ist gewöhnlich, in trügerischer Absicht neue inhaltliche Bemerkungen zwischen die des Urhebers der Quelle einzuschieben, Lücken auszufflllen oder den Ausdruck des Autors falschlich zu erganzen bzw zu interpretieren.

215. Von den Interpolationen sind wohl zu unterscheiden 1) die sog. Fortsetzungen, Zufügungen am SchluB von historischen Quellen, die zuweilen von verschiedenen Handen ohne Tauschungsabsicht gemacht wurden, wie wir sie namentlich in mittelalterlichen Chroniken vorfinden (z. B. in Prospers Epitoma Chronicon, s. MGh, Chron. min. 1, 486 ff); 2) die sog. Glossen oder Glossemen d. h. Einschaltungen oder Erganzungen, die meist von spateren Lesern

Sluiten