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behufs Erklarung, Verbesserung, Erganzung, Belehrung gemacht wurden und nachher nicht seiten in den Text selbst hineingerieten; 3) schlieBlich die erklarenden, erganzenden, verbessernden Anderungen oder Zusdtze des Autors selbst. Für die Kritik der Zusatze, Auslassungen oder Veranderungen ist noch die Frage von der gröBten Bedeutung, ob die gefalschte Quelle uns im Original oder nur in einer Abschrift bzw Kopie oder Nachbüdung vorliegt, weil im ersten Falie die Verunechtung leicht erkannt wird, im letzten Falie dagegen wenigstens auBerlich nicht bemerkbar ist.

1. Die Echtheit und die Falschung.

216. i. Arten und Motive der Falschung. Im Vergleich zu anderen wissenschaftlichen Falschungen sind die Verunechtungen historischer Quellen sehr haufig, weil hier auBer dem allgemeinen Motiv der Falschung, namlich schnöder Gewinnsucht, noch andere Beweggründe, wie Ruhmsucht, Gelehrteneitelkeit, Neid, Rachsucht, Parteiinteresse, falscher Patriotismus, übertriebener religiöser Eifer hinzutreten.

1. Das Motiv der Gewinnsucht spielt namentlich bei Verunechtung von stummen Quellen, wie von Überresten und von sog. Produkten der Kunst und des Kunstgewerbes eine groBe Rolle. Aus Gelehrteneitelkeit oder Ruhmsuchtsind namentlich viele Literaturprodukte nichthistorischen Inhaltes gefalscht worden, besonders in der Humanistenzeit, aber auch nicht wenige in alter und neuer Zeit.

217. Beispiele: 1) Überreste und Kunstwerke: viele Beispiele s. bei StBeiBel, Gefalschte Kunstwerke 1009, so Pfahlbaufunde aus den Seen der Schweiz (S. 36), die prahistorischen Steinzeuge des Amerikaners LErikson (S. 37), die moabitischen Altertümer des Juden Schapira zu Berlin (S. 39), griechische und römische Altertümer (S.44ff), christliche Altertümer (S. 67 ff), mittelalterliche Kunstwerke (S. 80 ff); andere Beispiele s. bei KSHtl, Archaologie der Kunst (1895) 802 ff und HGroB, der Raritatenbetrug (1901) 15 ff. — 2) Literatur produkte: Platos Dialoge Osdyvs, Inxlae fulCmy, Mlvme u. a.; apokryphe Evangeliën (Ebioniter-, Agypter-, Petrus-, Andreasevangelium); apokryphe Apostelbriefe (Alexandrinerbriefe, Briefwechsel zwischen Paulus und Seneca); Canones der Apostel; M. Tullii Ciceronis Consolatto, Uber nunc primum editus, Köln 1583, wahrscheinlich eine Stilübung des CSigonius (1524— -84); Pompeii Trogi fragmenta (1853 von ABielowski nach polnischen Chroniken); erfundene Kollationen zu Pindar von nicht existierenden neapolitanischen Handschriften (WAhtwardt 1830); die Lieder Ossians, 1760 von JMucpherson veröffentlicht; die Grüneberger und Königinhofer Handschriften mit Erzeugnissen altböhmischer Literatur c. 1817; die Pergamene di Arboréa, d. h. die Geschichte von Sardinien betreffende Pergament- und Papierhandschriften aus dem 8.—15. Jahrhundert mit Briefen, Gedichten, Biographien und anderen Literaturfragmenten c 1846 (s. Bernheim 335, Berliner SB 1870, 64—103).

218. 2. Sehr zahlreich sind die Verunechtungen, welche die Klasse der mündlichen Tradition erfahren hat So müssen zunachst viele Sagen als gefalscht bezeichnet werden, weil sich ihr Inhalt als historische Überlieferung gibt, ohne es zu sein, indem er vollstindig oder zum Teil erfunden oder umgearbeitet oder anderswoher, d. h. von einer andern Zeit, von anderen Orten oder Personen entlehnt wurde. Als Motive wirkten bei solchen Falschungen besonders Familienstolz, Ahneneitelkeit, Lokalpatriotismus, falsche Pietat mit. Es wollten z. B. Staaten, Stadte, im Mittelalter auch manche Kirchen oder Klöster durch

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