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solche „frotnme Tauschungen" ihre Anfange auf einen alten ehrwürdigen Ursprung zurückführen. Hierhin gehören auch die sog. Wandersagen, die oft in ihren Grundzügen unverandert blieben, sonst aber von Person auf Person, von Ort auf Ort, von Zeit auf Zeit übertragen wurden, wobei die erste Fassung unverfalscht und echt sein konnte, ferner die sog. atiologischen Sagen (s. oben n. 105), die ihre Existenz aber oft nur einem harmlosen Spiel der Volksphantasie verdanken. Viele Verunechtungen treten uns ferner entgegen auf dem Gebiete der Geflügelten Worte, der Anekdoten, der Legenden über berühmte Persönlichkeiten, namentlich auch über Heilige

219. Auf hagiographischem Oebiete spielte als Motiv der Verunechtungen zunachst die Wundersucht eine bedeutende Rolle. Die vorhandene nüchterne Tradition genügte dem Volksglauben nicht. Er wollte das_ Leben seiner Heiligen vom Olanz des AuBordentlichen umwoben sehen. Die Heiligen, besonders die Martyrer, gatten ihm als unverletzlich; deshalb mufite Gott sie in aller Gefahr, vor Feuer, wilden Tieren, vor Tyrann und Henker schützen. In anderen Fallen muBten die Verfolger schon auf Erden Sühne für ihre Vergehen leisten; darum vollzog sich an ihnen ein offenkundiges schreckliches Gottesgericht oder sie kehrten in Reue zu Gott zurück. Wahrend ihres Lebens hat Gott die Heiligen vieler und aufiergewöhnlicher Erscheinungen gewürdigt und ihnen sichtlich die Hetrschaft über die Elemente und Tiere verhellen. Oft führte auch eine naive E i t e 1 k e i t oder die Vorliebe für einen besondern Schutzheiligen zur Legend en bildung. Man beanspruchte eine verehrte Person für das eigene Land, die eigene Stadt; so beanspruchten auch die Kyprioten Katharina von Alexandreia, die Bewohner von Massilia die drei Geschwister von Bethanien, die Pariser den hl. Dionysios von Athen. Manchmal begnügten man sich auch mit der Ehre, den Heiligen einmal innerhalb der Mauern der Stadt beherbergt zu haben, man erfand eine Reise usw.

220. Beispiele der mündlichen Tradition: 1) Sagen und Legenden: Viele Sagen über Alexander, Hannibal, Karl den Grofien; Abstammung der Römer von den Trojanern; Gründung Roms der „Siebenhügelstadt"; die Sagen der römischen Könige; Arnold Winkelried; die 400 Pforzheimer bei Wimpfen; der Brand Magdeburgs. — 2) Wandersagen: Wilhelm Teil; deutsche Kaisersagen (vgl FKamper, Die deutsche Kfuseridee in Prophetie und Sage 1896). — 3) Ati o logische Sagen: Schwedenschanzen; Mauseturm von Bingen; Pilatusberg bei Luzern; hl. Crispimis; Stadt Altona; Stadt Konitz. — 4) Hagiographische Legenden: Die Martyrer Prokopios von Kaisareia und Georgios als Offiziere oder Ritter; Legenden mancher Kirchen über angebliche direkte Gründung durch Apostel oder Apostelschüler, so in Massilia, Paris, Trier (Eucharius), Köln (Maternus); die bekannte Legende des historisch beglaubigten Martyrers Christophoros. — 5) Anekdoten: manche Anekdoten über Pythagoras, Casar, Napoleon; das Ei des Columbus; Karl V und Anton Fugger zu Augsburg; das Ende von Don Carlos. — 6) Geflügelte Worte: Nou' turbare circulos meos (Archimedes); Alea iacta est (Casar)/ E pur si muove (Oalilei); Moriamur pro rege (Reichstag von PreBburg); La garde meurt et neserendpas (Cambronne). — Andere Beispiele s. in den n. 104 u. 118 genannten Werken von Widmann, Hertsiet, Delehaye; auBerdem s. Wvjanko, Fabel und Geschichte 1880, FKnie, Geistesblitze 1887, BDuhr, Jesuiten-Fabeln * 1904.

221. 3. Von den schriftlichen Quellen sind 1) in sehr umfangreichem MaBe die Akten und Urkunden verunechtet worden. Diese haben als gefalscht zu gelten, wenn sie nach der Absicht des Herstellers sich für etwas anderes ausgeben, als sie in Wirklichkeit sind. ' Die

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