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gefalschten Urkunden treten teils als angebliche Originale (Scheinoriginale), teils als Kopien angeblicher Originale auf. Sie sind gewöhnlich nach echten Vorlagen gearbeitet unter Nachahmung der au Beren Formalien und unter Übernahme des inhaltiichen Textes. Hierbei ist dieser oft wörtlich herübergenommen, wahrend in anderen Fallen die Anderung nur geringfügige Interpolationen oder Auslassungen betrifft. Manchmal ist aber auch der Inhalt der Urkunden ganzlich oder fast ganzüch erfunden, so daB bei der Nachahmung nur noch die Datierung oder die Namen des Ausstellers und die Unterschrifteh auf die Vorlage zurückgehen. In anderen Fallen wieder sind die Urkunden inhaltlich echt und ist nur eine Tauschung in bezug auf die Beweiskraft und die rechtliche Bedeutung beabsichtigt, z. B. wenn für ein wirkliches Recht oder Privileg die Ausstellung durch eine höhere Obrigkeit fingiert wird.

222. Der Zweck der falschen Urkundenfabrikate war meist, Rechtsansprüchen irgend welcher Art als Orundlage zu dienen; deshalb wirkten als Motive bei der Falschung namentlich mit Parteiinteresse, Lokalinteresse, Gewinnsucht, falsches Streben nach Ehre, seiten auch Eitelkeit von Oelehrten, die mit entdeckten Akten prahlen oder wissenschaftliche Hypothesen sicherstellen wollten. Im besondern wurden viele Urkunden im Interesse einer poiitischen oder religiösen Partei, Genossenschaft, Gemeinde gefalscht, um Besitzansprüche oder Privilegiën zu erschleichen, den Anspruch auf angebliche Rechte, Oüter, Ruhmestitel zu erweisen. Andere Urkunden wurden zugunsten ehrgeiziger Familien verunechtet, um deren Verbindung mit anderen angesehenen Geschlechtern zu erharten oder ihrem Stammbaum eine weit hinaufreichende geschichtliche Überlieferung zu sichern. Mittels gefalschter Urkunden suchten ferner manchmal Staatswesen oder Stadte angebliche Gerechtsame zu begründen oder berechtigte Ansprüche einer Gegenpartei abzuweisen. Den Charakter von falschenden Urkundensammlüngen tragen zuweilen auch die sog. Blau-o6.tr andere Buntbücher unserer Zeit, wenn sie namlich tendenziös zugestutzte Auszüge ans dem echten umfangreichen Originalmaterial bieten.

223. Beispiele: Unechte Urkunden des Konzils von Nikaia des J. 325 (CJHefele, Conciliengeschickte l2 [1873] 438 ff); die Symmachianischen Falschungen (Sinuessanae synodi Gtsta de Marcellino, ConstUutum Sylvestri, Gesta Liberii etc) aus dem Anfang des 6. Jahrh.; die Ps-Isidorischen Dekretalen ; die Schenkung Kaiser Kpnstantins; viele Urkunden der Merovingerzeit, vgl JHavet, Questions Mérovingiennes in Bibliothèque de l'Ecole des chartes 46 (1885) 205 ff; die österreichischen Freiheitsprivilegien (Bernheim 340ff); das Testament Peter des Grofien (Hist. Z. [1879] 385 ff); viele falsche Papst- und Kaiserurkunden s. in den betreffenden Regesten (oben n. 152 f); andere Beispiele s. bei Toustain-Tassin, Nouveau traité de diplomatique VI 1. 7 p. 110 — 281; JFicker, Bedrage zur Urkundenlehre 1 (1887) 5 ff; HBreBlau, Handbuch der Urkundenlehre 1 2 (1912).

224. 2) Nicht wenige Falschungen weist unter den schrifUichen Zeugnissen ferner die Klasse der eigentlich berichtenden Quellen, wie Genealogien, Chroniken, Annalen, Oeschichtsdarstellungen, Biographien,

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