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wenn sie von gegnerischen Zeugen ausgeht, die zeitlich nicht allzuweit von der in Frage stehenden Quelle abstehen und die im Falie der Unechtheit nicht ermangelt hitten, diese anzurufen. So liegen uns z. B. für die Mitte des 2. jahrhunderts Zeugnisse aus den verschiedensten Kirchen vor, die dartun, daB die Echtheit der 4 Evangeliën um jene Zeit allgemein anerkannt wurde und nicht nur von Christen, sondern auch von Haretikern, wie Basilides und Markion; dasselbe wird efwas spater auch von heidnischen Oegnern wie Kdsos (c. 178) und Porphyrios (t c. 303) berichtet.

236. 3) Eine Quelle ist einem Autor abzusprechen, wenn dieselbe von unzweifelhaft zuverlassigen Autoren einem andern Urheber zugeschrieben wird.

4) Sind die auBeren Zeugnisse widersprechend, so ist der Grad der Zuverlassigkeit eines jeden genau zu bewerten und die verschiedenen Grade gegen einander abzuwagen.

5) Das unerklarliche Stillschweigen von gleichzeitigen Autoren oder Autoren der nachsten Generation (das sog. argumentum e silentio) kann gegen die zweifelhafte Echtheit eines Zeugnisses angerufen werden, wenn dieses jenen Autoren hatte bekannt sein mussen und sie genügenden AnlaB gehabt bitten, um dasselbe zu erwahnen (vgl unten 2. Teil).

237. DaB die Anwendung der auBeren Kriterien zuweilen groBe Vorsicht erheischt, zeigt folgendes Beispiel. Es gibt Urkunden, die im heutigen iuridischen Sinne unecht sind, aber als Falschungen im technischen Sinne nicht bezeichnet werden dürfen. So enthalten Sltere Urkunden manchmal Angaben, die mit anderen sicheren Daten in Widerspruch stehen, es werden z. B. Zeugen angeführt, die zur Zeit der Datierung schon tot waren: der Fehler war durch zu engen AnschluB an die Vorlage verursacht. Andere mittelalterliche Urkunden tragen ein alteres Datum, obschon sie nach der auBern Anlage mit Sicherheit einer neuern Zeit zugewiesen werden müssen: es sind Urkunden, die ffir tatsachlich besessenes Recht den verlorenen Besitztitel begründen. Bei den Verwfistungen der Kriege durch Raub, Zerstörung, Brand konnte es sich namlich leicht ereignen, daB die Archive von Klöstern, Kirchen, Burgen und mit ihnen viele Dokumente wie Bullen, königliche Diplome, Schenkungsurkunden verloren gingen. Nach Wiederherstellung der Ordnung war es dann oft Sorge der Oebliebenen oder Zurfickkehrenden, die Privilegiën, Schenkungen oder sonstigen Rechte von neuem zu verbriefen. Deshalb wurde nach der Erinnerung oder nach anderen Vorlagen bzw Kopien der alte Text durch öffentliche Notare oder andere offizielle Personen neu aufgesetzt und mit dem Siegel des Fürsten oder Bischofs oder eines sonstigen machtigen Herrn der Nachbarschaft versehen und die Urkunden als vollgiiltige in das Archiv gelegt (vgl deSmedt 96 sqq).

238. 2. Innere Kriterien. 1) Die Quelle ist wahrscheinlich echt, wenn sie inbezug auf die au 8 ere Form, d. h. die auBeren Formalien, die Sprache, besonders die altere Kunst-und Volkssprache, den Stil, den Versbau, die Schrift — deren Alter erkennt man leicht an Schreibstoff, an Schreibart, an Verkürzungen, Verzierungen (vgl Palaographie und Diplomatik) —, die Kunstform (bei der bfldhch-figüriichen Tradition) denselben Charakter tragt, wie andere als echt anerkannte Quellen desselben Autors oder wenigstens derselben Schule, Zeit, Gegend.

Wir können dieser Regel auch eine negative Fassung geben: Eine Quelle ist wahrscheinlich unecht, wenn ihre auBere Form der

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