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247 Beispiele: 1) Überreste: Über Irrtümer bezüglich alter menschlicher Knochenreste s. JRanke, Der Mensch 2 »(1912) 445 ff, 487 ff. — Schliemann glaubte bei seinen Ausgrabungen zu Hissarlik das homerische Troja in den Resten der „gebrannten Stadt", einer tatsachlich noch altern Ansiedlung, entdeckt zu haben, wahrend er die wirkliche homerische Burg in einer obern Schicht fast ganz unbeachtet gelassen hatte; er lieB sich ferner durch ein Mifiyerstandnis der Worte des Pausanias bewegen, in Mykenai nach den Atridengrabern zu suchen, in Wirklichkeit fand er noch wertvollere Graberstatten; zu Tiryns entdeckte er die Reste einer homerischen Herrnburg und meinte einen römischen oder mittelalterlichen Bau vor sich zu haben (AMichaelis, Ein Jahrh. kunstarchaol. Entdeckungen 2 (1908) 210 ff.

2) Literarische Produkte: die Werke LTsgl <pvzwv, LTsgi xóa/wv des Ps-Aristoteles, manche Briefe von Ps-Plato, der Cynegeticus des Ps-Xenophon, De trinitate des Ps-Tertullian; umgekehrt betrat der Irrtum echte Werke in diesen Fallen: die sog. exoterischen Werke des Aristoteles, die Philosophumena (Hippolyt), manche Oden des Horaz (Hyperkritik von HPeerlkamp und KLehrs), Hardouins Hyperkritik bezüglich vieler alter Autoren (s. oben n. 36) usw.

Hierhin gehort auch die groBe Reihe falscher Zitate: über solche im Altertum s. HPeter, Die gesch. Litteratur über die röm. Kfuseneit usw 2 (1897) 258 ff, über solche in der Neuzeit s. ORottmanner, Uber unrichtige patrist. Zitate im Hist. Jahrb. 23 (1902) 1-6.

248. 2. Sehr haufig tritt uns der Irrtum weiterhin auf dem Gebiete der mündlichen Tradition entgegen. Lange Zeit hat man Sagen und poëtische Erzahlungen mit geringem historischen Untergrund als historische Quellen gelten lassen. Erst das letzte Jahrhundert hat endgültig mit der alten Vorstellung vom historischen Wert der Sagen oder sagenhafter Gebilde aufgeraumt. Bahnbrechend wirkleu in dieser Hinsicht BQNiebuhr und ThMommsen, welche die Forschung von den falschen Werturteilen über die römische Sage befreiten und auch selbst praktisch in ihren Geschichtsdarstellungen die Unzulanglichkeit der alten Sagen dargetan haben. Für die deutsche Geschichte war in ahnlichem Sinne das Wirken von JGrimm, für die mittelalterliche das von LvRanke von groBem EinfluB. Auch den Gerüchten und anderen Arten der mündlichen Tradition hat man oft im Altertum und im Mittelalter, und haufig auch in der Neuzeit, den Charakter zuverlassiger historischer Quellenzeugnisse beigelegt. Beda schrieb in seiner Kirchengeschichte sogar den seltsamen Satz, der auch von vielen anderen Historikern des Altertums und des Mittelalters praktisch beobachtet wurde: quia, quod vera lex historiae est, simpliciter ea, quae fama valgante collegimus, ad instructionem posteritatis litteris mandare studuimus (Praef. MSL 95,24).

249. Beispiele: Irrtümer bezüglich des historischen Charakters vieler Sagen und Mythen bei zahlreichen Historikern des Altertums, wie Herodot, Livius, Cornelius Nepos usw; Hieronymus (Vita S. Pauli 7. 8 MSL 23, 22 sq) über die Existeiiz von Centauern und Satyren; Widukind über die Abstammung der Sachsen von den Oriechèn; s. BLasch, Das Erwachen u. die Entwickelung der hist. Kritik im MA 9; s. ebenda 5 ff über die Aufnahme vieler anderer Sagen bei mittelalterlichen Schriftstellern; die interpolierte Chronik des Martinus Polonus (nach 1278), die Chronik Flores temporum (bis 1290) und viele mittelalterliche Theologen über die Papstin Johanna (vgl. IDöllinger, Die Papst-Fabeln des MA [1863] 7 ff); über die Aufnahme von Gerüchten irt unserer Zeit s. BDuhr, Der Lügengeist im Weltkrieg 1915.

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