Tekst
Onderstaande tekst is niet 100% betrouwbaar

250. 3. Zahlreich sind die Verkennungen weiterhin auf dem Gebiete der schriftlichen Quellen, und zwar sowohl der Akten und Urkunden als der rein referierenden Zeugnisse, wie auch auf dem Gebiete der Inschriften.

1) Bei Urkunden war es haufig Unkenntnis der auBeren und inneren Merkmale, die einen Irrtum über die Echtheit aufkommen lieB. In anderen Fallen schloB man voreilig auf eine Verunechtung aus dem seltsamen Inhalt. Inbezug auf die berichtenden Quellen steilten sich viele Irrtümer dadurch ein, daB man sie auf Grund von unzureichender Bezeugung oder von gewissen Stiiahnlichkeiten berühmten Autoren zueignete. Manche Chroniken des Mittelalters hielt man für eine einheitliche Arbeit, wahrend sie in Wirklichkeit aus verschiedenen Fortsetzungen bestanden usw.

Beispiele: Baronius u.a. betrachteten die Airten der 6. ökumenischen Synode für unecht (wegen der Honoriusfrage); den Brief der Synode von Sardika (c. 343) an die Kaiser hielt man 1500 Jahre lang für ein Fragment des hl. Hilarius von Poitiers (vgl AFeder, Studiën zu Hilarius 1 [1910] 133^-151); über fremde Fortsetzungen von Prospers Epitoma Chronicon s. MOh, Chron. min. 1, 486 ff; über den Irrtum bezüglich der sog. Hamburger Urkunden s. WPeitz SJ, Untersuchungen zu Urkundenfalschungen des MA 1 (1919).

251. 2) Viele Verkennungen begegnen uns auch in der Geschichte der Inschriften (und Münzen). Man glaubte, der sprachliche Inhalt, die Schrift, das Material, auBere Formalien, besonders bei christlichen Inschriften, stehe in Widerspruch zum Zeitalter der angeblichen Abfassung; man meinte, die Art der Überlieferung widerspreche der Echtheit; man miBverstand manche Abkürzungen und verlegte darum die Inschrift in ein anderes Milieu, in eine andere Zeit.

Beispiele: Man Iegte die Abkürzung BM= bonae memoriae als beatus marfyr aus und schuf so neue Martyrerinschriften; eine spanische Kirche hielt die Fragmenteninschrift SVIAR, entstanden aus (praefectu)S VIAR(um) für die Inschrift eines Heiligen und sandte an Urban VIII eine Bittschrift um Oewahrung von Ablassen (JMabillon, Museum Italicum 1 [1724] 143); eine römische Inschrift RRRFFF wurde als sibyllinische Weissagung ausgelegt: Roma Ruet RomuliFerro Flammaque Fanteque (IDöllinger, Die Papst-Fabeln des MA 29). Einen Irrtum über eine griechische Humanisteninschrift aus dem J. 1576 zu Schwarzenbach in Karaten s. bei BeiBel, Gefalschte Kunstwerke 47; viele andere Irrtümer s. im C/G und im CIL.

252. 4. Nicht wenige Irrtümer weist schlieBlich auch die Geschichte der bildlich-figürlichen Tradition auf. Man irrte, indem man historische Bauten oder historische Bildnisse auf Gemalden, Skulpturen, Münzen irrtümlich gewissen Künstlern, Schulen, Perioden zueignete. Namentlich hat die einseitige Anwendung der sog. stilistischen Analyse zu vielen Irrtümern in der Ursprungsbestimmung von historischen Kunstwerken geführt.

Beispiele: Aus dem Stil des Denkmals von Adamklissi in der Dobrudscha schloB man irrtümlich, daB Trajan durch éine Falschung ein Werk des Crassus für sich in Anspruch genommen habe (s. FrKoepp, Archaologie 3 [1911] 53); man hielt die Brustbilder auf den Siegeln der Karolinger, die aus antiken Gemmen gebildet waren, für Portrats der betreffenden frankischen Herrscher; andere Beispiele s. bei AMichaelis, Ein Jahrh. kunstarchaol. Entdeckungen 2 (1908) 299 ff.

Sluiten