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253. 3. Regeln für die Bestimmung des Irrtums. Wir können hier auf die

Regeln verweisen, die wir für die Bestimmung einer Falschung anführten. Sie sind namlich der Hauptsache nach dieselben; nur schlieBen wir hier nicht auf eine bewuBte Irreführung durch den Urheber der Quelle, sondern auf den subjektiven Irrtum des Forschers.

§ 2. Bestimmung der auBeren Umstande des Ursprunges (positive Echtheitskritik).

254. 1. Mit der Feststellung der Echtheit einer Quelle ist noch nicht der tatsachliche Charakter ihres Ursprunges für uns voll erschlossen. Dies geschieht erst dann, wenn wir auch die aufieren Umstande der Herkunft ermittelt, d. h. wenn wir auBer dem Urheber die Zeit und den Ort der Entstehung bestimmt und die Frage nach der Originalitat bzw der Abhangigkeit der Quelle gelost haben. Sind diese vier Faktoren des nahern bekannt, so liegt die Eigenart des Ursprunges klar vor Augen. Wir beschlftigen uns zunachst mit den drei ersten Faktoren. Die Kritik derselben nennen wir auch positive Echtheitskritik (vgl oben n. 211).

255. 2. Gegenüber neueren Quellen entfallt meist diese Kritik; denn heute tragen Bücher, öffentliche Dokumente, Urkunden, Briefe, Zeitungsartikel usw für gewöhnlich den Namen des Autors und die Bezeichnung von Ort und Zeit. Ahnliches ist von den Quellen der bildlich-figürlichen Tradition zu sagen. Auch unter den alteren Zeugnissen enthalten die eigenthchen Urkunden meist das Datum, den Ort und den Namen des Ausstellers. Desgleichen weisen Briefe vielfach, in spater Zeit sogar zumeist, neben dem Namen die Bezeichnung von Zeit und Ort auf; doch ist die Jahreszahl nicht seiten weggelassen, weil sie für den Adressaten selbstverstandlich ist. Ferner finden wir die drei genannten Angaben oft in Tagebüchern. Manchmal haben auch die Schreiber von Handschriften Notizen über ihre Person oder die Zeit, in der sie schrieben, eingetragen; zuweilen finden sich solche Angaben in den Handschriften auch von fremder Hand. Die Drucke enthalten meist die Bezeichnung von Ort und Jahr — die alteren vielfach ein noch genaueres Datum — sowie oft Angaben über die Offizin, aus der sie hervorgmgen.

256. 3. Andrerseits ist die Zahl der nicht datierten Zeugnisse gröBer, als man glauben sollte. Literarische Produkte wurden früher überhaupt nicht datiert. Und selbst Akten und Diplome, Gesetze, Briefe von Fürsten und Privaten, Akten der Stadte- und Reichstage sind manchmal gar nicht oder nur mangelhaft datiert. Zudem sind uns viele Akten und Urkunden nur in Abschriften überliefert, welche die Datierung als überflüssig ausgelassen haben, namentlich in gröBeren Sammlungen von Briefen (Cicero, Plinius), von weltlichen (Cod. Iastinianus) und kirchlichen (Papsttichen Dekretalien) Gesetzen usw.

1. Bestimmung der Entstehungszeit.

257. 1. Wlchtigkeit de* Bestimmung der Entstehungszeit. Diese Bestimmung

ist in zweifacher W*eise wichtig:

1) Als Über rest der Begebenheiten muB die Quelle innerhalb der Entwicklung der Tatsachen ihre ordnungsgemaBe Stellung zugewiesen erhalten. Für die kulturgeschichtliche Auffassung einer Zeitperiode ist es z. B. wichtig zu wissen, wann ein Gesetz, eine Institution,

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