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268. 4) Mit groBer Vorsicht sind als Kriterien S p r a ch eigentümlichkeiten und Stil zu verwenden; denn diese sind überaus feine Gebilde mit vielen Nuancen, die eines weitumfassenden Studiums bedürfen, um als Grundlage für das vergleichende Verfahren dienen zu können.

5) Ahnliches gilt von dem Kriterium der individuellen Auffassung, bezüglich deren ebenfalls leicht ein Irrtum möglich ist.

6) SchlieBlich bietet auch der Inhalt oft Anhaltspunkte für die Urheberbestimmung. Wir finden im Inhalt manchmal Andeutungen auf die Person des Urhebers, seinen Wohnort, sein Alter, seinen Stand, seine Parteistellung, seine Interessen, auf sonstige Lebensumstande. In anderen weniger günstigen Fallen können wir aus dem Inhalt wenigstens Rückschlüsse auf den Stand des Urhebers ziehen, wir können feststellen, ob er Laie, Geistlicher, Bischof, Mönch, Krieger, Fahrender, Handwerker war.

NB. Hat ein Werk mehrere Urheber, so bemerken wir dies leicht an gewissen Widersprüchen, auffallenden Ungleichheiten in Auffassung, Stil und Inhalt.

Zweites Kapitel. Kritik der Ursprünglichkeit (Originalitat) bzw Abhangigkeit der Quellen (Quellenanalyse).

269. Lit.: AvOutschmid, Antrittsrede Jena 1877=/<Z. Schriften hsg von FrRühl 1 (1889) 1 ff; Bernheim 411—447; ders., Einleitung 122—126; AOercke (-ENorden), Einleitung in die Altertumswiss. 12 (1912) 39 ff; BAlbers, Manuale di propedeutica istorica (1909) 48 sqq; AMeister im Orundrifi 1, 1, 26 f.

1. Lange Zeit hat man sowohl im gerichtlichen Verfahren als auch in der historischen Kritik seine Aufmerksamkeit fast ausschlieBIich der Frage nach der persönlichen Glaubwürdigkeit des Aussagenden zugewandt, nicht aber der natürlicher Weise so naheliegenden Frage, ob der Aussagende auch imstande war, die tatsachliche Wahrheit ungetrübt mitzuteilen, und vor allem, ob ihm eine originelle oder nur eine mittelbare, abgeleitete Kenntnis der berichteten Tatsachen beigewohnt habe. Die Folge der Vernachlassigung letzterer Frage war, daB man in der geschichtlichen Betrachtung achtbare Autoren verschiedener Zeiten als gleichwertige Zeugen für Vorgange einer ihnen allen oder doch vielen fernliegenden Periode gelten lieB. Man hat darum mit Recht in der neuern Zeit eine Hauptaufgabe der Quellenkritik darin erblickt, für alle Falie, wo wir aus den Aussagen der Zeugen selbst oder aus der Kritik der auBeren Umstande nicht die Ursprünglichkeit bzw Abhangigkeit einer Quelle erschlieBen können, die Grundsatze aufzustellen, die uns die Erreichung dieses Zieles auf andere Weise ermöglichen.

2. Die Methode, welche sich auf diesen Grundsatzen aufbaut, nennen wir Quellenanalyse. Sie beschrankt sich aber nicht nur auf schriftliche oder mündliche Quellen, sondern sie dehnt sich auf alle

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