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Quellenarten aus. Sie sucht überall zwischen ursprünglichen und abgeleiteten Quellen zu scheiden, mögen die abgeleiteten Quellen jetzt Nacherzahlungen, Abschriften, Überseizungen, Entlehnungen, Nachbildungen oder dergleichen sein.

§ 1. Bestimmung der Ursprünglichkeit bzw Abhangigkeit der Quellen.

270. 1. Wesen der Quellenanalyse und Begriff der Urquelle. 1. Unter Quel-

lenanalyse verstehen wir die Methode, welche, hauptsachlich durch Auflösung der Quellen in ihre Bestandteile und durch Vergleichung mit anderen Zeugnissen, die Originaliteit bzw Abhangigkeit der einzelnen Quellen zu ermitteln sucht. Findet sie dann, daB eine oder mehrere vorliegende Quellen nicht unabhangige, sondern abgeleitete sind, so wird sie für dieselben die eine oder die verschiedenen Urquellen nachweisen.

271. 2. Der Begriff Urquelle wird in verschiedenem Sinne gebrauchi lm eigentlichen Sinne bedeutet Urquelle ein in Inhalt und Form ursprüngliches bzw unmittelbares Zeugnis der historischen Tatsachen. Doch legen wir haufig den Begriff Urquelle allen zeitgenössischen Zeugnissen schlechthin bei, also sowohl denen, welche auf eigener unmittelbarer Anschauung, als auch denen, welche auf der unmittelbaren Anschauung anderer Zeitgenossen beruhen. SchlieBlich nennen wir Urquelle im weitern Sinne auch diejenigen Quellen, die nur die Vor lage für abgeleitete Quellen bildeten. Aus dem Zusammenhange wird sich ergeben, in welchem Sinne wir das Wort Urquelle im Folgenden gebrauchen werden; durchweg im driften Sinne gebrauchen wir es im 2. Paragraphen dieses Kapitels.

1) Die abgeleiteten Überreste sind, wenn echt, in gewisser Hinsicht auch Urquellen; denn sie legen Zeugnis ab von der Zeit und der Umwelt, der sie entstammen. Insofern sie aber in der Formgebung abhangig sind, müssen wir sie als Quellen betrachten, die von anderen Quellen, den sog. Urbildern oder Mustern, abgeleitet sind. So sind viele römische Kunstwerke Nachbildungen der griechischen, manche Aachener Kunstschöpfungen Korts des Grofien Nachbildungen Ravennatischer Kunst usw.

272. 2) Sehr haufig treten uns in den Akten und Urkunden abgeleitete Quellen entgegen. Sie sind namlich oft als Ganzes oder in Teilen nach Vorlagen oder Entwürfen (Vorurkunden) hergestellt, die wir eben als Urquellen zu betrachten haben, und enthalten vielfach Formeln, die aus Gewohnheit oder aus Vorschrift behufs Beglaubigung der Dokumente bei derselben Klasse von Diplomen identisch sind.

Zu gewissen Zeiten bestanden sogar eigene Mustersammlungen solcher Urkundenentwürfe und -formeln: die sog. Formulare, Formelbiicher. Solchen Formularen begegnen wir bei den Römern, bei den germanischen Vólkern (fonnulae Marculfi, formulae imperiales), in der

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