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aufgezeichneten Ableitungen mehr oder weniger nach Oestalt und Inhalt in der Urform wiederherstellen. Auch beischriftlichen Quellen gelingt es manchmal, aus dem Text einer abgeleiteten Quelle ganze Satze oder Teile der verlorenen Vorlage herauszulesen. Öfters ereignet sich auch der Fall, daB wir die Spuren einer verlorenen schriftlichen Quelle in mehreren uns vorliegenden Quellen vorfinden. Stimmen dann die entlehnten Partien wörtlich überein und sind die abgeleiteten Quellen unter sich unabhangig, so gewinnen wir dadurch ein sicheres Mittel, den ursprünglichen Text der Urquelle zu rekonstruieren, zunichst soweit er die übereinstimmenden Entlehnungen betrifft; ist auf diese Weise der eigentümliche Charakter einer Quelle erkannt, so dürfen wir auch Stellen, die nur in einer Quelle vorkommen, als der Urquelle entnommen betrachten, wofern sie der Eigenart dieser entsprechen.

288. Beispiele: Aus Exzerpten, die Paulus diaconus aus den Tractatus my'steriorum des Hilarius von Poitiers zusammenstellte, lassen sich einige verlorene Partien dieses Werkes wiederherstellen (AFeder, Studiën zu Hilarius 3 [19121 22ff, vgl CSEL 64, 15 ff). Aus der Tatsache, daB Sulpicius Severus in seiner Chronik für gewisse Nachrichten der römischen Kaiserzeit die Annalen des Tacitus fast wörtlich auszog, mutmaBte JBernays (Oes. Abhandlungen 2 11885] 159 ff), daB auch der Severische Bericht über den Brand des iüd.schen Tempels in Jerusalem (Chron. 2,30, 6), der vom Bericht des losephos inhaltlich abweicht, aus den Tacitèischen Annalen geschöpft habe, ia er suchte mit groBem Oeschick die verlorene Stelle des Tacitus zu rekonstruieren und die aufgestellte Fassung als richtig zu erweisen. Aus Notizen römischer, z. T. schlecht überlieferter Annalisten verschiedener Zeitpenoden hat ThMommsen die ursprünglichen Konsularfasten (Consularia Italica),dmen jene Notizen entnommen waren, herzusteilen gesucht (Chron, min. 1, 251 ff).

2. Efne abgeleitete Quelie und verschiedene Urquellen.

289. i. Drei Quellen. 1. Die zwei Urquellen können voneinander unabhangig sein oder sie können miteinander verwandt sein, indem eine aus der andern abgeleitet ist oder indem sie sich gegenseitig benützt haben. Dazu kann dann noch der Fall treten, daB die beiden Urberichte auf eine gemeinsame Quelle zurückgehen. Die Zahl der möglichen Kombinationen der Verwandtschaftsverhaltnisse ist also schon bei der Dreizahl verwandter Quellen nicht gering.

290. 2. Zur Bestimmung des Verhaltnisses der Verwandtschaft gelten folgende Regeln:

1) Enthalt von drei verwandten Quellen die eine Nachrichten aus den zwei anderen, wahrend diese beiden nur verschiedene Berichte oder dieselben Berichte in durchaus selbstandiger Form bringen, so ist sie als eine abgeleitete Quelle anzusehen, die aus jenen beiden Entlehnungen gemacht hat

2) Enthült dagegen eine Quelle Berichte aus zwei anderen Quellen, die in diesen Berichten auch eine Abhangigkeit aufweisen, so muB die Untersuchung vor allem feststellen, ob das in Frage stehende Verhaltnis der ersten Quelle zu den beiden anderen Quellen als zu zwei Urquellen tatsachlich vorliegt. Die Untersuchung hat also ein Doppel verhaltnis aufzudecken; praktisch wird sie dies dadurch tun, daB sie

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