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5) Erhalten sind mehrere spate Handschriften mit stark voneinander abweichenden Lesarten.

6) Erhalten ist eine (oder mehrere) alte und neue Überlieferung, die stark voneinander abweichen.

Beispiele ffir die aufgezahlten Falie s. in Philolog. Methodik 74 f.

304. 5. Das Verwandtschaftsverhaltnis der Handschriften wird graphisch durch den sog. Stammbaum (Stemma, Rezensionsformel) ausgedrückt; kleinere Beispiele s. oben n. 284.

6. Aus der Mannigfaltigkeit der erhaltènen direkten und indirekten Überlieferung hat die Rezension schlieBlich den bestbeglaubigten Text herauszuheben und der Benützung zuganglich zu machen. Will ein Herausgeber bis zum Originaltext der Quelle selbst vordringen, so muB die Rezension mit der Emendation gleich von Anfang an Hand in Hand arbeiten. Über das methodische Verfahren der Rezension bei der Herstellung der Texte (auch Urkunden- und Inschriftentexte) im einzelnen s. Philolog. Methodik 81 ff.

2. Die Emendation.

305. 1. Die Aufgabe der Emendation ist es, den ursprünglichen Originaltext der Zeugnisse wiederherzustellen. Bei der letzten erreichbaren Stufe der Überlieferung können wir namlich zwar einen einheitlichen Text, aber darin doch manche „offene Korruptelen" vorfinden. Im letztern Falie muB der Emendator durch die sog. Auswahl (Selektion) jedesmal prüfen, welche von den verschiedenen Lesarten der ursprünglichen Textgestalt wohl am nachsten gestanden haben mag. Im andern Falie sucht er durch die sog. Rpnjekturalkritik die ursprünglichen Lesarten im einzelnen durch Konjekturen und Hypothesen aufzuspüren und als ursprüngliche auch zu erweisen.

2. Zur Erreichung dieses Zieles bedient er sich standig der Methoden der Kritik der Fehlerquellen und der Hermeneutik (s. unten 3. Hauptteil). Bei jedem Fehler sind namlich die möglichen und wahrscheinlichen Fehlerquellen zu berücksichtigen und mit Hilfe der sprachlichen, technischen, inhaltlichen, historischen Interpretationen die tatsachliche Ursache des Fehlers zu erschlieBen. Die Heilung der einzelnen Fehler selbst geschieht hierauf entsprechend ihrem Charakter (s. oben n. 297 f) durch Anderung (interpungere, transponere, delere, supplere, mutare).

■ 3. Die Emendation hat bei der Textherstellung die Falie einer wahrscheinlichen Lösung von denen einer sichern Lösung wohl zu unterscheiden und als solche in der Reproduktion des Textes irgendwie kenntlich zu machen, sei es auch nur im Apparate. Zudem hat die Konjekturalkritik stets direkt oder indirekt den sichern Beweis zu liefern, daB die von ihr geanderte Fassung der Überlieferung fehlerhaft ist.

306. NB. Über die Anlage einer Edition, die auBere Wiedergabe des Textes, des Apparates, die Aufgabe der Einleitung, der Indizes, ferner über die Art photographischer Aufnahmen und der Reproduktion bildlicher Darstellungen, sowie über die Korrektur bei der Drucklegung eines Werkes s. Philolog. Methodik 87 ff.

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