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Zweiter Teil.

Kritik der Glaubwürdigkeit der Quellen (innere Kritik).

307. 1. Ist durch die aufiere Kritik die Tatsachlichkeit der Quelle, d. h. ihre Echtheit, etwaige Ursprünglichkeit, ihre Unversehrtheit festgestellt, so fallt der innern Kritik die Aufgabe zu, ihre Olaubwürdigkeit zu erweisen. Die Kritik der Tatsachlichkeit der Quellen ergibt namlich nicht direkt die Tatsachlichkeit der bezeugten Fakta. Selbst wenn der Berichterstatter unmittelbarer Zeuge war, so bekundet sein Text zunichst nur, wie er die Tatsachen dargestellt hat. Der mitgeteilte Bericht gibt deshalb nicht notwendig wieder, was der Zeuge im Ernste innerlich mit klarem BewuBtsein erlebt hat; denn er kann die Unwahrheit gesagt haben. Er gibt auch nicht notwendig wieder, was sich tatsachlich ereignet hat; denn der Zeuge kann sich getauscht haben. Dem Kritiker begegnen in der Wirklichkeit zahl reiche Berichte, auch von unmittelbaren Zeugen, über ein und dieselbe Tatsache, die sich schnurstracks widersprechen. Sind die einen zuverlassig, so müssen die anderen irren oder lügen. Die Zeugnisse müssen deshalb in doppelter Hinsicht gewertet werden, logisch und moralisch. Die logische Bewertung besteht in der Feststellung des Wissens des Zeugen, die moralische in der Feststellung der Wahrhaftigkeit des Zeugen bzw der Wahraussage im konkreten Falie. Wir müssen also die Uberzeugung gewinnen, daB die Zeugen auf der einen Seite richtig beobachtet haben und die Beobachtung auch richtig wiedergeben konnten, auf der andern Seite, daB sie auch willens waren, dieses zu tun, mit anderen Worten, dafi sie die Wahrheit sagen konnten und wollten.

308. 2. Verfehlt ware es, jedes Zeugnis von vornherein zu verwerfen. Denn im allgemeinen hat eine Quelle schon durch ihr Bestehen, insofern nicht bestimmte Gründe zum Zweifel berechtigen, die Annahme der Glaubwürdigkeit für sich und dies auf Grund der Notwendigkeit des menschlichen vertrauensvollen Verkehrs und der allgemeinen Wahrhaftigkeit der menschlichen Natur. Der Verkehr zwischen den Menschen, ja alle Auskunft, Mitteilung, Berichterstattung beruht ja auf der stilischweigenden Voraussetzung, daB die Menschen in allgemeinen fahig sind, vergangene Ereignisse mit Hilfe der Erinnerung darzustellen und daB sie auch im allgemeinen willens sind, also zu handeln. Die besagte Voraussetzung ist aber nicht eine absolute. Ist darum ein Zweifel berechtigt, so muB die Untersuchung ihn zu beheben suchen. Und zwar hat die Untersuchung die Glaubwürdigkeit der Quelle und damit die Tatsachlichkeit der bezeugten Vorgange zunachst aus dem Eigenwert des Zeugnisses festzustellen. In vielen Fallen wird der Kritik diese Feststellung gelingen ;• in anderen Fallen wird sie den Erganzungswert sonstiger Zeugnisse und Beweismittel in Anspruch nehmen müssen.

309. 3. Wie Vernunft und Erfahrung Iehren, haben die logische Richtigkeit und die moralische Aufrichtigkeit der Zeugnisse ihre natürlichen bzw freiwillig gewollten Grenzen und Schranken. Die Kritik hat deshalb, um die Grundlage für die Festsetzung der Regeln der logischen und moralischen Bewertung der Quellen zu schaffen, zunachst die EinfluBbedingungen jener doppetten Art von Schranken zu bestimmen, d. h. sie muB die Fehlerarten, welche die beiden Elemente der Glaubwürdigkeit untergraben oder herabmindern, feststellen.

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