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treffen — dies folgt aus der Natur und dem Zweck der menschlichen Erkenntnis und auch aus der Erfahrung —, ferner daB die Quellenkritik uns über die Natur und die Ursachen der Fehler aufklart und uns die Grundsatze und Regeln bietet, um den genannten ProzeB in seine hauptsachlichen Einzelakte zu zerlegen und bei jedem derselben die etwaigen Fehler aufzudecken.

2. Die Fehlerursachen im einzelnen.

316. Da die ausführlichere Darstellung der allgemeinen Theorie der Fehlerursachen Aufgabe der Logik und der Psychologie ist, begnügen wir uns an dieser Stelle mit einer summarischen Behandlung der besonderen Fehlerquellen der historischen Erkenntnis. Doch empfiehlt es sich zum klarern Verstandnis der Ausffihrungen, einige Hauptdaten der allgemeinen Theorie auch hier kurz zu wiederholen. Auf die Fehler und Mangel, die bei den mittelbaren schriftlichen Zeugnissen aus dem Sondercharakter der schriftlichen Überlieferung entstehen, wiesen wir oben n. 296 ff hin.

1. Fehler der sinnlichen Wahrnehmung. 1. JedeS geschichtliche Geschehen

setzt sich aus einer Reihe einzelner sinnfalliger Vorgange zusammen, die durch Raum, Zeit oder einen Zweck einheitlich miteinander verbunden sind. Die Erkenntnis der geschichtlichen Vorgange baut sich also je nach der Einfachheit oder Kompliziertheit des Vorganges aus einer gröBern oder kleinern Summe von sinnlichen Erkenntnissen auf, auf Grund deren der Verstand seine Urteile über die historischen Tatsachen fallt. Sind die sinnlichen Erkenntnisse fehlerhaft, so bieten sie dem Verstand AnlaB zu falschen Urteilen und SchluBfolgerungen. Grundelemente der sinnlichen Wahrnehmung im vollen Sinne sind die Etnpfindungen, die Wahrnehmungen im weitern Sinne (W. der Quantitat) und zum Teil die Phantasievorstellungen. Unter Wahrnehmung im vollen Sinne verstehen wir ja jen en Akt der sinnlichen Erkenntnis, der die Empfindungen, die Wahrnehmungen im weitern Sinne und die Phantasievorstellungen in eins faBt und zur Erkenntnis eines sinnfalligen Gegenstandes oder Komplexes soldier Gegenstande vereinigt.

Empfindung im engern Sinne ist die sinnliche Erkenntnis der letzten sinnfaïligen Objekte. Der Vorgang der Empfindung ist kurz dieser: Es geht vom auBern Objekt eine physische Wirkung auf das Sinnesorgan aus, welche hier eine Nervenerregung hervorruft, die sich bis zum Sinneszentrum fortpflanzt; die Seele antwortet dann auf diese Erregung, die objektive Empfindung, mit dem BewuBtsein der subjektiven Erkenntnis. Objekte der eigentlichen Empfindung sind jene, die nur einem auBern Sinne zuganglich sind, die sog. Sonderobjekte des betreffenden Sinnes (sensibilia propria), wie Farbe, Ton, Dun. Jene Objekte hingegen, die von mehreren Sinnen wahrgenommen werden, die sog. gemeinsamen Sinnesobjekte (sensibilia communia), wie Oestalt, OröBe, Bewegung, sind Gegenstand der Wahrnehmung im weitern Sinne. Unter VorsteUung verstenen wir den Akt der Phantasie, d. h. derjenigen organischen Fahigkeit, welche die bei der auBern Sinneswahrnehmung gewonnene intentionale Darstellung sinnfalliger Gegenstande ohne neuen auBern Reiz erneuert und dieselben durch Auslassung, Zufügung, Zusammensetzung, Neubildung derart umzugestalten vermag, daB die neuen Darstellungen von den _ früher gebildeten sich wesentiich unterscheiden. Die Tatigkeit der Phantasie ist also teils reproduktiv, teils produktiv. Bei der Wahrnehmung im vollen Sinne wirken auch die Phantasievorstellungen in mannigfacher Weise mii

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