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317. 2. Damit nun die Empfindung, die Wahrnehmung im weitern Sinne und die VorsteUung eine fehlerfreie Erkenntnis vermitteln, so daB der Verstand auf Qrund derselben über Dasein und Eigenschaften sinnfalliger Gegenstande, also auch historischer Vorgange, mit Sicherheit urteilen kann, sind verschiedene Bedingungen erfordert:

1) Die Sinne müssen a) von Natur aus normal und gesund sein; ferner müssen sie hier und jetzt disponiert sein, d. h. sich in normalem, ausgeruhtem Zustande befinden. b) Die Sinne müssen gemaB dem Verhaltnis von Erkennbarkeit des Objektes und Erkenntnisfihigkeit des Sinnes in richtiger Weise auf das Objekt eingestellt sein. c) Das zwischen Sinnesorgan und Gegenstand befindliche Medium muB derart sein, daB das Organ in seiner Tatigkeit nicht behindert und vom Objekt in normaler Weise affiziert werde. d) Der Wille muB den Sinneseindrücken die notwendige Aufmerksamkeit schenken. Diese ist ein besonderer Grad der psychischen Energie, die dem Vollzug des Erkenntnisaktes zugewandt wird. Sie hat aus der groBen Fülle der jeweils unsere Sinnesorgane treffenden Reize ein engeres Gebiet auszuschneiden; hierdurch rückt sie von selbst das übrige mehr oder weniger ins Dunkele. Und auch inmitten jenes beschrankten Kreises von Erkenntnisvorgangen, des sog. BUckfeïdes, wendet sie sich einer noch engern Sphare, dem sog. Blickpunkt zu. Was in dieser engsten Sphire steht, und nur dies allein, wird von den Sinnen in seinen Einzelheiten mit Deutlichkeit und Klarheit erkannt, wahrend das übrige, was auBerhalb dieses engsten Kreises liegt, weniger sicher, weniger deutlich, weniger klar erfaBt wird.

318. 2) Damit die Vorstellungen der Phantasie, die an der sinnlichen Wahrnehmung Anteil haben, dem historischen Forscher nicht AnlaB zum Irrtum bieten, muB jene Erkenntnisfahigkeit sich im normalen gesunden Zustand befinden und müssen die Vorstellungen selbst sich streng an die von den auBeren Sinneseindrücken gebotenen Daten binden; denn auch die Phantasie hat bei der Wahrnehmung historischer Vorgange in erster Linie der Erreichung der Wahrheit zu dienen. Dasselbe gilt auch für die Tatigkeit der Phantasie bei den spateren Akten der Synthese, Reproduktion, Wiedergabe des Wahrgenommenen.

319. 3. Werden nun die nötigen Bedingungen bei der sinnlichen Wahrnehmung nicht erfülIt, so schleichen sich Irrtümer ein, die dem Verstand dann AnlaB werden, über die historischen Vorgange ein falsches Urteil zu fallen.

1) Die erste Bedingung für eine richtige Empfindung sowie für die Wahrnehmung im weitern Sinne ist etwa nicht vorhanden, wenn organische Fehler vorliegen, wie Farbenblindheit, nicht behobene Kurzsichtigkeit, Taubheit, zeitweilige Erkrankung der Sinnesorgane, Zustande der Ubermüdung.

Im übermüdeten Zustande treten z. B.. leicht die sog. Nuchbilder auf, die zwar ohne unmittelbaren auBern Reiz entstehen, aber doch die unmittelbare Folge eines solchen sind und intensiv fast so stark sein können als die Empfindungen selbst, wie die Nachbilder des Oesichtssinnes, die Druckbilder oder

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