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Warmebilder des Tastsinnes; eine andere Erscheinung anormaler Sinneserkenntnis bei übermüdetem Zustande ist die ohne direkten auBern Reiz entstehende Wiederholungsempftndung oder die Reproduktion einer echten Empfindung wie die Empfindung einer erlebten aufregenden Szene, eines scharfen Wortwechsels und dgl.

Fehlt die zwei te Bedingung, ist z. B. nicht die zur normalen Beobachtung nötige Seh- oder Hörweite vorhanden, ist der Gegenstand etwa zu klein, zu weit entfernt, der Ton zu schwach, zu fern, so ist die Beobachtung überhaupt unmöglich oder sie wird wenigstens an Deutlichkeit und Klarheit leiden. Fehler gegen die dritte Bedingung liegen z. B. vor, wenn beim Sehen das Licht zu schwach, zu grell ist, wenn beim Hören zu starker Wind weht. Was die vier te Bedingung betrifft, so ist es eine Tatsache, daB die Aufmerksamkeit auch bei der normalen^ Beobachtung, die demselben Sinnesgebiet angehört, seiten einheitlich ist, z. B. bei der Beobachtung eines auBern Vorganges, beim Lesen oder Anhören eines Berichtes. Eine haufige Folge ist dann, daB der betreffende Zeuge von gewissen Teilen des Vorganges, bei dem er zugegen war, oder des Berichtes, der ihm vorlag, nur wenig oder überhaupt nichts beachtet hat. Und um so mehr treten solche Fehler infolge des Mangels an der nötigen Aufmerksamkeit auf, je reizbarer, zerstreuter, ablenkbarer ein Zeuge von Natur aus ist. Wie wenig bekannt noch diese Tatsache ist, zeigt der haufige Vorwurf bei Zeugenvernehmungen \ „Das müssen Sie doch gesehen oder gehort haben, da Sie ja anwesend waren." Die Aufmerksamkeit des Beobachters kann ferner leicht durch eine ungeordnete Gefühls- und Gemütsverfassung gestort werden. Ein gewisser Grad von Erregung kann zwar die Beobachtungsfahigkeit steigern, aber ein ÜbermaB, wie groBe Aufregung, Entrüstung, Furcht, zu starke Erwartung, starker Schrecken mindern sie manchmal derart, daB die Beobachtung einseitig wird und wichtige Momente des Vorganges gar nicht wahrgenommen wérden. Der Affekt der Erwartung hat im besondern die Eigentümlichkeit, daB er gewisse Vorstellungen in den Vordergrund des BewuBtseins dringt, die dann mit den objektiven Sinneseindrücken eine Verschmelzung eingehen. Der Volksmund hat dieser Tatsache in dem Worte Ausdruck verliehen: „Der Wunsch ist der Vater des Gedankens .

Ein anschauliches Beispiel für die irreführende Beobachtungsweise bei aufreeenden Szenen büden die verschiedenen Berichte über die Ermordung des russischen Ministers Plehwes (28. Juli 1904) in WSterns Batrage zur Psychologie der Aussage (1905—6) 451 ff.

320. 2) Die Vorstellungen der Phantasie, namentlich in ihrer konstruktiveü Tütigkeit, bieten dem Verstand bei der Wahrnehmung leicht AnlaB zu falschen Urteilen, wenn inbezug auf eine zur normalen Betatigung nötige organische oder psychische Bedingung eine Störung eingetreten ist. So stellen sich z. B. fehlerhafte Vorstellungen öfters ein bei übergroBer Erregbarkeit des Nervensystems nach geistiger oder körperlicher Überanstrengung, bei Erschöpfungszustanden nach langerSchlaftosigkeit, langem Hungern, starkem Blutverlust, bei gewissen Vergiftungserscheinungen (Alkohol, Opium, Haschisch), bei seelischen Depressionen, übermachtigen Affekten, wie Furcht und Schrecken (z. B.

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