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im Dunkel, in der Dimmerung). Bei solchen anormalen Zustanden des Vorstellungsvermögens besitzen frei konstruierte Vorstellungen oft eine solche Intensitat und Starke, daB der Verstand sie für wirkliche Wahrnehmungen halt oder es gestaltet eine im Gefolge auBerer Reize erfolgte Vorstellung die wirkliche Wahrnehmung durch Auslassung, Zufügung, oder Neubildung wesentiich um, so daB sie den Verstand zu einem Irrtum über den Wahrnehmungsinhalt verleitet

321. Unter den fehlerhaften Vorstellungen sind für die objektive geschichtliche Erkenntnis besonders verhangnisvoll die Halluzinationen und die lllusionen. Unter einer positiven Halluzination (Sinnesvorspiegelung) verstehen wir eine solche Vorstellung, die uns eine wirkliche Sinneswahrnehmung vortauscht; es sind also reine Trugwahrnehmungen, denen kein auBeres Objekt entspricht. Die positiven Halluzinationen sind bald einfach, wie bei vorgetauschten Flammen oder Gerauschen, bald sind sie komplex, wie bei vorgetauschten Gestalten oder Stimmen. Eine negative Halluzination ist dann vorhanden, wenn ein wahrnehmbarer Gegenstand, der im normalen Zustand wahrgenommen werden müBte, nicht wahrgenommen wird; man sieht z. B. bei off enen Augen und in wachem Zustand einen Menschen, der vor einem steht, einfach nicht. Unter einer lüusion (Sinnestauschung) verstehen wir eine Sinneswahrnehmung, die zwar ein auBerlich wahrnehmbares Objekt zum Gegenstand hat, aber zugleich Elemente von Vorstellungen aufgenommen hat, die der betreffenden Sinneswahrnehmung fremd sind. Die Folge ist, daB diese einseitig oder falsch gedeutet wird. Die lllusionen enthalten also reale Wahrnehmungselemente, die von auBeren Sinnesreizen ausgingen, wahrend solche Wahrnehmungselemente bei der Halluzination überhaupt-fehlen. Der Halluzinant sieht Personen und Gestalten, hórt Stimmen und Gerausche, die in Wirklichkeit nicht vorhanden sind; der von lllusionen Betroffene hingegen gibt nur dem, was er sieht und hórt, eine falsche Deutung, er halt z. B. einen Baumstumpf für eine menschliche Gestalt, das Brausen des Wasserfalles für Musik usw.

Beispiele für geschichtliche Halluzinationen (Parish 61 f): Sokrates und seine innere Stimme (?), Descartes sah sich lange von einem Begleiter verfolgt, der ihn aufforderte, im Streben nach Wahrheit nicht nachzulassen; Pascal erblickte nach einem Sturz bestandig einen schwarzen Abgrund vor sich; Byron wurde von Gespenstern heimgesucht; Schumann glaubte, Beethoven u. a. diktierten ihm die Melodien, die er niederschrieb; der Maler Montana sah die Gestalten, die er malte, zuweilen vor sich stehen; bekannt sind Luthers Oesichtsvorspiegelungen und Gehörstauschungen (HOrisar, Luther 3 [1912] 616 ff); den Quaker GFox tröstete in seinen MiBerfolgen eine Stimme: „Jesus Christus versteht dich" usw.

322. 2. Fehler der Synthese der wahrgenommenen Tatsachen. 1. Jeder auBere

Vorgang, der nicht einfach, sondern zusammengesetzt ist, kann nur durch eine gröBere Reihe von sinnlichen Wahrnehmungen erkannt werden. In all diesen Wahrnehmungen sind uns aber nur Bilder der Einzelteile des historischen Vorganges gegeben. Neben der Sinneserkenntnis selbst, die den einzelnen Wahrnehmungen eines solchen Vorganges eine gewisse Einheit gibt, verbindet auch der Verstand dieselben auf seine Weise nach logischen und psychologischen Gesetzen miteinander. Diese Verknüpfung, welche die Wahrnehmungsinhalte zur Einheit des historischen Vorganges — insoweit wir im gewöhnlichen Leben denselben als einheitliches Ganzes betrachten —, verbindet, nennen wir die Synthese des historischen Vorganges (vgl unten 3. Hauptteil). Die Tatigkeit des Verstandes bei dieser Synthese ist zunachst eine

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