Tekst
Onderstaande tekst is niet 100% betrouwbaar

330. b) Die Beeinflussung durch andere geschieht hauptsachlich durch die Suggestion. Unter dieser versteht man das Übernehmen einer anderweitigen geistigen Stellungnahme unter dem Schein des eigenen Stellungnehmens (Stern, Lippmann). Suggestiv wirken besonders die Autoritat einer höher stehendten Person, eine autoritative Einrichtung wie die des Staates, die öffentliche Meinung, die Macht der Presse und der bildlichen Darstellung, das Beispiel von groBen Menschenmassen, das auBergewöhnliche Auftreten eines Menschen (Fanatiker, Demagog), vor allem aber die Suggestivfragen, d. h. solche Fragen, die zu einer gebotenen Vorstellung auch eine bestimmte Stellungnahme nahelegen. Bei Aussagen vor Gericht wird der EinfluB der Suggestion noch erhöht durch die Pracht der ungewöhnten Umgebung, durch die Autoritat der im Amtskleid anwesenden Beamten, durch den Zwang, vor einer groBen Zuhörerschaft öffenÜich Antwort zu geben.

Frfiher hat man dem Begriff der Suggestion durch die Vermischung mit dem Begriff der Hypnose lange eine pathologische Bedeutung beigelegt; die neuere Aussageforschung weist aber mit Recht darauf hin, welch bedeutende Rolle die Suggestion auch im normalen Leben spielt. Oft wird bereits die Wahrnehmung suggestiv beeinfluBt, indem der Beobachter oder Hörer auf eine autoritative Versicherung hin etwas zu sehen oder zu hóren glaubt, was er in Wirklichkeit nicht sieht oder hórt.

Die Suggestion macht sich, wie bemerkt, besonders in der Fragestellung geltend. In jeder Suggestivfrage namlich liegt insofern ein gewisser Zwang, als diese im voraus den Zeugen gleichsam einliidt, die Ereignisse in einen bestimmten Rahmen einzufügen und eventuell zu modifizieren. Je nach der Form der Fragestellung unterscheidet man die Suggestivfragen in Bestimmungsfragen (Welche Haltung beobachtete der Angeklagte bei dem Vorgange?) und Erwartungsfragen (Nahm der Angeklagte nicht eine drohende Haltung ein?, warum haben Sie dieses getan?). Besonders irreführend sind die letzteren Fragen, wenn sie die Form von unvollstandigen Disjunktionsfragen annehmen.

331. 2. Fehler der mittelbaren Wiedergabe. Bei den Zeugnissen der mittelbaren Überlieferung treten zu den Möglichkeiten von Trübungen des unmittelbaren Berichtes noch mannigfache Möglichkeiten von Irrtümern hinzu, die in der Natur der Nacherzahlung durch fremde, den historischen Ereignissen zeitlich oder raumlich fernstehende Berichterstatter ihren Grund haben. Und je öfter ein Originalbericht nacherzahlt wird, um so gröBer wird jedesmal die Möglichkeit der Entstellung, weil ja jeder neue Bericht den ganzen früher geschilderten ProzeB der Beobachtung, Synthese, Reproduktion, Wiedergabe je nach der Eigenart der verschiedenen Berichterstatter von neuem durchlaufen mufi. Die Wiedererzahler verfahren zudem bei der Wiedergabe eines fremden Berichtes gewöhnlich weniger gewissenhaft und genau, als wenn es sich um den eigenen Bericht handeln würde. Es gesellt sich ferner haufig eine unrichtige Interpretation hinzu und so schleichen sich Ieichter auch gröBere MiBverstandnisse, uuwillkürliche Erganzungen und damit neue Irrtümer ein.

8*

Sluiten