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332. An dieser Stelle verdient auch die Erscheinung der sog. Nachbildung eine kurze Erwahnung. Sie besteht darin, daB Berichterstatter ihre formellen Zeugnisse ganz oder zum Teil nicht aus der unmittelbaren Beobachtung oder aus vermittelter Überlieferung, sondern aus früheren gleichen bzw ahnlichen Erscheinungen oder aus einem vorher für den Vorgang entworfenen Programm entkhnen. Haufiger geschah und geschieht dies bei der Berichterstattung über gröBere Festlichkeiten, Krönungen, Fürstenempfange, feierliche Aufzuge, ProzeBsitzungen. Verlauft dann der Vorgang nicht wie bei früherer Gelegenheit oder nicht programmaBig, so enthalt der Bericht inhaltliche Irrtümer.

333. Die Fehter der mittelbaren Berichterstattung erfahren oft eine ungeheuere Steigerung, wenn ein Bericht von den Massen aufgegriffen und verbreitet wird. Die Massen sind namlich nicht nur der Spielball iuBerer Reize und innerer Affekte und deshalb überschwengHch erregt, impulsiv, wandelbar in Oefühl und Stimmung, unfahig zu ruhigem Nachdenken, sondern sie sind auch in hohem MaBe der Oefahr der Beeinflussung durch Suggestion ausgesètzt und darum höchst leichtgfêubig und veranderlich in Auffassung und Denken. In den Massenberichten spielen aus diesen Gründen vor . allem die Halluzinationen und lllusionen (s. oben n. 320) einé bedeutende Rolle, besonders in Zeiten starker psychischer Ergriffenheit, wie zur Zeit von Kriegen (Kreuzzügen), gefahrlichen ansteckenden Krankheiten, bei groBen Unglücksfallen, schreckhaften Naturkatastrophen und dgl.

Viele Beispiele solcher historischen Massenhalluzinationen und -lllusionen s. bei GLeBon, Die Psychologie der Massen (nach der 12. Aufl. fibers, von REister) 1808; WvBechterew, Die Bedeutung der Suggestion im sozialen Leben (1905) 38 ff.

Zweites Kapitel.

Inhaltliche Falschungen und ihre Fehlerursachen.

334. Lit.: VCathrein, Moralphüosophie 2 (1911) 82-96; FrKoessing, Über die Wahrheitsliebe (1883) 161—262; HGroB, Kriminalpsychologie (1905) 638— 647; IFamffler, Pastoral-Psychiatrie (1898) 152—154.

Unter den Begriff inhalüicher Falschung fassen wir hier alle TSuschungen der Quelle im allgemeinen zusammen, d. h. jede irgendwie vom Zeugen selbst erkannte Abweichung des Berichtes von seinem innern BewuBtseinsinhalt, also jede Aussage, die eine formelle Unwahrheit enthalt. Zu diesen Tauschungen gehören:

1. die formelle Lüge, die in einer AuBerung besteht, welche vom BewuBtseinsinhalt abweicht, die ferner irgendwie die Absicht der Tauschung verfolgt und sich schlieBlich der moralischen Verwerflichkeit der Falschaussage unter diesen Umstanden bewuBt ist.

Zur formellen Lüge gehören also drei Elemente: l)der Wille unwahr zu sein, 2) der tatsachllche Gebrauch von Wórten oder Zeichen, die zwischen Gedanken und AuBerung derselben einen Widerspruch darstellen, 3) die wenigstens interpretative (in'direkte) Absicht der Tauschung. Eine Scherzluge, bei welcher der Berichterstatter vcrnünftigerweise voraussieht, daB er den Leser oder Zuhörer nicht tauscht, ware also keine Lüge, weil die dntte Bedingung fehlt.

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