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fremden Berichten aufweisen, nicht unsern moralischen Standpunkt anlegen. Es war wohl eine Irreffihrung der Leser, aber eine naive, die vielfach oder meist unter gutem Olauben vor sich ging. Die Motive waren im allgemeinen dieselben, die wir bereits oben bei den Falschungen bezüglich der Urheberschaft kennen lernten (vgl auch n. 360). Beispiele s. bei Delehaye, Les légendes hag. 30 sqq, 103 sqq, 263 sqq.

337. 3. die pathoforme Lüge. Wir sehen hier natürlich ab von allen Fallen der pathologischen Unwahrhaftigkeit, welche die krankhafte Folge oder Begleiterscheinung wirklicher Oeisteskrankheit ist und welche die Psychiater vielfach als Paramnesie bezeichnen. Mit dem Begriff pathoformer Lügen bezeichnen wir nur die unwahrhaftigen AuBerungen solcher Zeugen, die auf der Orenzscheide von geistig Normalen und geistig Kranken stehen und deren Verantwortungsgefühl noch vorhanden ist, wenn auch nach dem Grad der Erkenntnis in sehr verschiedenem Grade. Es gibt Menschen, die schon von Kindheit an eine abnorme Neigung zur Lüge haben, sei es aus Habgier oder aus überstarkem Selbstgefühl, Neid, Gefallen am Schaden anderer, oder die selbst scheinbar ohne ersichtlichen Vorteil die Lüge um der Lüge willen lieben, wenngleich sie sich in der Tat der gelungenen Tauschung erfreuen.

Zu den pathoformen Lügen rechnen wir auch die Lügen vieler Hysterischen, denen die Unwahrhaftigkeit ebenfalls zur Lebensgewohnheit werden kann. Es ist ja ein charakeristisches Kennzeichen der Hysterie, daB sie auf jegliche Weise danach strebt, ein Gegenstand besondern Wohlwollens und Mitleides oder der Be wunderung zu werden; gelingt ihr das Ziel nicht durch erlaubte oder indifferente Mittel, so greift sie zur'Lüge: sie übertreibt die Wirklichkeit, rühmt sich falschlich hoher Verbindungen, erfindet MiBhandlungen, Verfolgungen, Krankheiten, vielfach auch übernatürliche Gunstbezeugungen, wie Onenbarungen und Visionen und dgl. Beispiele enthalten die Lehrbücher der Psychiatrie.

Zwei ter Ab sch n i tt. Die Kritik der Glaubwürdigkeit im besondern.

338. I. Überblicken wir noch einmal die geschilderten Fehlerarten, welche in vielen Fallen die Überzeugung vom Wissen oder von der Wahrhaftigkeit der Zeugen in Frage stellen oder zerstören, so fühlen wir uns wohl zu kritischer Prüf un g der Glaubwürdigkeit der einzelnen Quellen verpflichtet, nicht aber zur historischen Skepsis oder zur Verneinung jeder historischen GewiBheit veranlaBt. Durch die Aufdeckung der Ursachen des subjektiven Einschlags, den die Wahrnehmung und die Wiedergabe geschichtlicher Vorgange aufweisen können, sind wir vielmehr in den Stand gesetzt, den objektiven Kern der Vorgange in scharf umrissenen Grenzen herauszulösen. Wir werden geradezu in den von der historischen Methodik aufgestellten Grenzbestimmungen und festen Kriterien geschichtlicher Erkenntnis nur die Erfahrungstatsache bestatigt finden, daB objektiv unverkennbare Hauptmomente geschichtlicher Tatsachen, die von tauglichen Zeugen beobachtet wurden, durch weg der Wahrheit gemaB berichtet werden.

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