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354. 2. Die schriftliche überlieferung. Ein immer noch in vielen Kreisen weit verbreitetes Vorurteil bezüglich der schriftlichen Überlieferung besteht darin, daB man alle schriftlichen Berichte deshalb als glaubwürdig betrachtet, weil sie geschrieben oder gedruckt sind. Dem gegenüber ist zu beachten, daB der schriftliche Charakter als solcher die Glaubwürdigkeit eines Berichtes nicht erhöht. Doch dürfen wir zugestehen, daB die schriftliche Fixierung eines Zeugnisses im allgemeinen den Berichterstatter zu aufmerksamerem Nachdenken und damit auch zu gröfierer Genauigkeit hinsichtlich des zu Berichtenden auffordert und daB das BewuBtsein, daB sein Ruf vor der Öffentlichkeit auf dem Spiele steht, den Berichterstatter in besonderer Weise zur Wahrhaftigkeit drangt. Zudem haben die schriftlichen Quellen vor der mündlichen den Vorzug, daB der Inhalt gleich von Anfang an fest gestaltet und genau umgrenzt und in der Folgezeit weniger den unbewuBten und unwillkürlichen Veranderungen ausgesètzt ist, als_ die mündliche Überlieferung. Aus dem Charakter der schriftlichen Überlieferung ergibt sich deshalb der groBe Vorteil, daB wir jedesmal, wo die ursprüngliche oder primare Aufzeichnung vorliegt oder hergestellt werden kann, eme Fassung des Berichtes vor uns haben, die von allen spateren Veranderungen und Falschungen noch ungetrübt und frei ist und so in zahlreichen Fallen die genaueste Kontrolle über die Glaubwürdigkeit des primaren Berichterstatters im Einzelnen gestattet

355. 3. Die biidiich-figüriiche überlieferung. Ahnliches wie von der schriftlichen Überlieferung gilt auch von der bildlich-figürlichen Überlieferung. Auch sie besitzt von Anfang an eine feste kontrollierbare Gestalt, die selbst bei der Wiedergabe nicht den zahlreichen mannigfachen unwillkürlichen Anderungen der mündlichen Tradition ausgesètzt ist. Die bildlichen Quellen aus festen Stoffen übertreffen an Dauerhaftigkeit sogar die meisten schriftlichen Quellen. Doch bildet andrerseits der eigenartige Charakter der bildlichen Darstellung oft ein Hemmnis für das unmittelbare Verstlndnis der überlieferten historischen Tatsachen, seien es Persönlichkeiten, Ereignisse oder Zustande, so daB die bildliche Überlieferung mehr als die beiden anderen Arten der Interpretation bedarf, und dies besonders deshalb, weil die bildliche Überlieferung von Natur aus nur ein ruhendes Moment, nicht aber den Verlauf eines Ereignisses darzustellen vermag. Eine Sonderstellung nimmt in der bildlichen Überlieferung die Darstellung durch das kinematographische Verfahren ein, das einen Vorgang für das Auge in seiner lebendigen Wirklichkeit gleichsam erneuert.

2. Der Gattungscharakter der Quellen nach ihrem Hauptzweck bzw führenden Nebenzweck betrachtet.

356. Der Hauptzweck ieder historischen Quelle sollte in der Mitteilung der objektiven Wahrheit bestehen. Bei der Einteilung der Quellen sahen wir bereits, daB viele Quellen an erster Stelle einen Nebenzweck verfolgen, der in der Tat für sie oft Hauptzweck wird, wie etwa die Beeinflussung des Verstandes oder des Willens oder ein asthetisches^Wohlgefallen. Wir teilten darum die Quellen in rein historische und in nicht rein historische Quellen ein.

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