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Die Erkenntnis der jeweiligen Eigenart einer Quelle, insofern sie im allgemeinen durch den Hauptzweck bzw den führenden Nebenzweck charakterisiert wird, ist in vielen Fallen nicht weniger geeignet, die ^spater folgende Arbeit der Individualkritik zu erleichtern, als es die Erkenntnis des aus der auBern Art der Überlieferung sich ergebenden Gattungscharakters War.

357. 1. Die rein historischen Quellen. Dieser Klasse teilten wir die eigentlich berichtenden und die geschaftlichen Quellen zu.

1. Bei den einfach berichtenden pri maren Quellen einer nur einigermaBen kritischen Periode können wir, natürlich immer die Echtheit vorausgesetzt, im allgemeinen die Richtigkeit des Zeugnisses annehmen, wenngleich bei einigem Zweifel auch hier die Kritik der Glaubwürdigkeit einzusetzen hat Ernstere Zweifel erheben sich aber leicht bei sekundaren Quellen, besonders hinsichtlich des Wissens des Berichterstatters, und dies um so mehr, je weiter das Zeugnis von den berichteten Tatsachen zeitlich absteht und je weniger die Zeit des Berichterstatters kritisch geschuif war.

Rein berichtende Zeugnisse also, die bald nach den Ereignissen von kundiger Hand niedergelegt wurden, verdienen durch weg Glauben; darum ist auch die Mehrzahl der von Zeitgenossen abgefaBten Berichte der Annalen und Chroniken und sonstigen eigentlichen Qeschichtsdarsteüungen, ferner die Mehrzahl der historischen Inschriften und Münzen inbezug auf die öffentlichen Ereignisse der jeweiligen Gegenwart sowie auf die chronologischen Hauptdaten, die Angaben der Regierungsdauer von Fürsten und Beamten durchgehends glaubwürdig, weil ein Grund zur Entstellung kaum vorhanden ist Ahnliches gilt von den Reiseberichten und berichtenden Briefen ernster Manner. Dagegen unteriiegen von den berichtenden Quellen bzw denen, die auf diesen Charakter Anspruch machen, der Gefahr subjektiven Einschlags und selbst der Falschung von Natur aus nicht seiten die Biographien. Persönliche pietatvolle Rückerinnerung und parteiische Stellungnahme haben oft eine einseitige, wenn nicht geradezu eine bewuBt falschende Gruppierung und Motivierung der Handlungen und AuBerungen der geschilderten Person im Gefolge. Der Quellengattung der Selbstbiographien und Memoiren müssen wir auch deshab mit Vorsicht oder gar MiBtrauen gegenübertreten, weil die Verfasser vielfach versucht sind, alle persönlichen Begebenheiten, Handlungen und Verhaltnisse oder auch das Handeln und Auftreten ihrer Partei ins Licht zu stellen, etwa zu entschuldigen oder zu rechtfertigen und dadurch den objektiven Tatbestand zu trüben oder zu falschen und weil jene Quellengattungen vielfach erst viele Jahre nach den Ereignissen, manchmal erst gegen das Lebensende abgefaBt wurden und deshalb wegen der Zeitdistanz meist einer Grundbedingung zuverlassiger Berichterstattung, namlich der Treue der Erinnerung, ermangeln.

358. 2. Bezüglich der geschaftlichen Quellen darf als Hauptprinzip gelten: Je mehr sie anderen Zwecken, als dem rein geschaftlichen, entrückt sind, desto mehr dürfen sie im allgemeinen als zuverlassig betrachtet werden. Deshalb verdienen Akte der Verwaltung, der Ge-

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