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setzgebung, private Gerichtsurkunden bezüglich der von ihnen berichteten Tatsachen durchweg Glauben. Bei vielen Urkunden tritt der rein geschaftliche Charakter sogar dermaBen hervor, daB eine Falschung als etwas ganz Ungewöhnliches angesehen werden muB, so z. B. bei Rechnungsbüchern, Grundbüchern, Personalverzeichnissen, Universitatsmatrikeln usw.

Berichte des diplomatischen Verkehrs hingegen sind mit Ausnahme des geheimen nur mit gröBter Vorsicht zu benützen, da ja diese Art der Berichterstattung bekanntlich eine ziemlich gewohnheitsmaBige Doppelzüngigkeit aufweist. Von ihr sagt Freeman, freilich mit einiger Übertreibung: Hare we are in the very chosen region of lies; everybody is, by the nature oft the case, trying to overreach everybody else (p. 258).

359. 2. Die nicht rein historischen Quellen. Bei diesen Quellen hat die Kritik zunachst im allgemeinen den führenden Nebenzweck festzustellen. Diese Feststellung gestattet namlich einen gewissen Einblick in die Abweichungen von der geschichtlichen Wahrheit, die mit der betreffenden Darstellung verbunden sind.

I, Finden wir, daB eine Quelle hauptsachlich den Zweck der subjektiven Beeinflussung des Verstandes verfolgt, sei es jetzt im Dienste der offiziellen Beeinflussung der öffentlichen Meinung oder im Dienste des Interesses von Privatpersonen oder von einzelnen Parteien, so wird die Kritik allen Nachrichten des Zeugnisses, die durch den Nebenzweck modifiziert oder gar erfunden sein können, nur mit berechtigtem Zweifel begegnen. Namentlich wird die Kritik dies gegenüber Stmtschriften und besonders wieder gegenüber Schm&hschriften tun müssen. Abgesehen von mancherlei direkter Erfindung falscht namlich der Pamphletist das, was er nicht zu widerlegen vermag, dermaBen, daB es unvernünftig, ja lacherlich erscheinen möchte, in Zukunft die angebliche Ungereimtheit noch glaubig hinzunehmen; deshalb ist es auch den PampbJeten so haufig gelungen, auf lange Zeit hin weite Kreise in die Irre zu führen, wie wir es noch heute bei manchen Schmahschriften der Kirchenspaltung beobachten können. Auch die oratorische Darstellung liebt es oft, den Verstand in einseitiger Weise zu beeinflussen; darum stattet sie so haufig ihre Helden mit dem Glanze edler Tugenden aus: Haltung, Gesten, Gefühle, Handlungen, Worte sind von Edelsinn und Grofimut getragen; darum zieht sie aber auch so oft die Gesinnung und das Handeln der Gegner in den Staub und malt an ihnen alles grau in grau (vgl manche Reden von Demosthenes und Cicero).

360. 2. Andere Quellen verfolgen den Nebenzweck der Beeinflussung des Willens durch einseitige sittliche Belehrung. Dies ist bei manchen pragmatischen Qeschichtsdarstellungen, manchen moralisierenden Erz&hlungen historischer Tatsachen, bei vielen Legenden des Mittelalters der Fall. Die Folgen soldier Tendenz sind dann gewöhnlich Zeichnung eines Idealbildes in der geschilderten Persönlichkeit, dessen Lob keinerlei Tadel zulaBt, Verschweigen von Schattenseiten, unwahre Ausschmfickung der Tatsachen oder Charaktereigenschaften oder auch

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