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umgekehrt bei der Lebensbeschreibung eines ais abschreckenden Beispiels hingestellten schlechten Menschen Übertreibung der Bosheit des Charakters und der Schlechtheit seiner Handlungen.

361. Wenn darum auch viele Legenden des Mittelalfers wegen ihres einseitigen Zweckes der Erbauung keinen oder nur geringen historischen Weit besitzen, so müssen wir ihnen doch oft einen bedeutsamen moralischen oder — wenn sie die schóne Form zugleich gepflegt haben — auch asthetischen Wert zuschreiben, einen Wert, der für die Erziehung des Menschengeschlechtes, namentlich nach der sittlich-religiösen Seite hm, vom gröBten EinfluB gewesen ist. Zahllosen haben sie in den Idealfiguren der geschilderten Heiligen ein anregendes Spiegelbild der sittlichen Vollkommenheit vor Augen gehalten. Treffend sagt von solchen Legenden Delehaye, Les légendes hagiogr. 258: „Aus der Gesamtheit des mittelalterlichen Legendenschatzes strömt uns etwas von der geheimnisvollen und erhabenen Poesie unserer alten Kathedralen entgegen und sie drücken mit einer unnachahmlichen Kraft die Schönheit der christlichen Seele und das Ideal der Heiligkeit aus. . . . Das Leben der Heiligen ist in der Tat die konkrete Verwirklichung des Oeistes des Evangeliums und durch die Tatsache, daB sie uns das erhabene Ideal sinnfallig nahebringt, kann die Legende, wie jede Poesie, auf einen höhern Grad von Wahrheit Anspruch erheben, als die Oeschichte."

362. 3. Auch das Bestreben des Berichterstatters, durch seine Darstellung bei den Lesern oder Zuhörern ein isthetisches Wohlgefallen zu wecken, verleiht den Berichten je nach der Art der gewahlten Kunstdarstellung einen gewissen Charakter, den die Kritik von vornherein zu berücksichtigen hat So schmückt die epische Darstellung haufig ihre Erzahlungen mit pittoresken Einzelheiten, mit zugefügten Reden, mit frei eingeführten Persönlichkeiten. Je mehr die Darstellung in Einzelheiten emgeht weckt sie den Schein der Treue und Aufrichtigkeit und ist deshalb in ihrer Wirkung nur um so verhangnisvoller. Die lyrische Darstellung übertreibt und falscht leicht die Oefühle und die OemütsauBerungen der auftretenden Personen und verleiht ihnen gerne eine groBe Intensitat, um sie interessanter zu machen. Solche Art der Entstellung der Wahrheit finden wir haufig bei der psychologischen Schilderung der historischen Persönlichkeiten. Die dramatische Darstellung endlich Hebt es, die seelische Wirkung der Berichte dadurch zu erhöhen, daB sie Einzelzüge, die sich sonst nur zerstreut vorfinden, auf efne Person, auf efnen Ort, auf eine Zeit vereinigt, so z. B. bei Herodot bei Tacitus, bei den Italienern der Renaissance. Der Kritik fallt es nicht immer leicht, die fremden Elemente richtig von den eigentlich historischen der betreffenden Tatsache zu scheiden.

3. Der Gattungscharakter der Quellen nach dem Typ des Aussagesubjektes betrachtet

363. Den generellen Wert der Zeugnisse können wir schlieBlich auch mit Rücksicht auf den Typ betrachten, dem die betreffenden Aussagesubjekte angehören. Die Erfahrung zeigt namlich, daB die vergleichende Wertung der Aussagen verschiedener Menschenklassen zu verschiedenen Resultaten bezüglich der Zuverlassigkeit der Aussagen führt. Man kann nun systematisch die Aussagesubjekte unter

Feder, Hist. Methodik

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