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Vólkern unbewuBt das MaB und die Gestalt, welche sie in den Augen der Umwelt haben. Die Auffassung dieser gleicht aber oft einem Spiegel, welcher das Bild des hereinfallenden Objektes in besonderer Weise reflektiert und verandert erscheinen laBt.

367. 5. Die Lebensstellung der Zeugen. Zeugnisse, deren Urheber eine öffentliche Stellung bekleiden, deren Ruf also dem Urteil der öffentlichen Kritik in hohem MaBe ausgesètzt ist, dürfen wir hinsichtlich der einfachen Daten von Ereignissen durch weg als glaubwürdig betrachten, nicht so aber hinsichtlich der Angaben über Ursachen und Motive der Tatsachen, da solche Angaben vielfach auf dem subjektiven Interesse der offiziellen Personen beruhen. Berichte von Zeugen, die eine unabhangige Stellung innehaben, die also keinen Schaden oder Nachteil zu befürchten haben, sind in sich bezüglich aller nicht persönlichen Angaben höher zu bewerten, als die Berichte von Zeugen, denen ihre Stellung eine Rücksichtnahme auf die Gefühle und Interessen anderer in störender Weise auferlegt. Darum geben auch reine Privatbriefe an Verwandte oder Freunde in ihrer vertrauensvollen Natürlichkeit über historische Tatsachen und die Verhaltnisse des Verfassers im besondern meist zuverlassigern AufschluB als Briefe, die an weite, von verschiedenartigen Interessen geleitete Kreise gerichtet sind.

§ 2. Die Individualkritik der Olaubwürdigkeit

368. Lit.: Bernheim 506—524; Langlois-Seignobos 139—162; COutberlet, Logik und Erketlntnistheorie 3 (1898) 257—263; s. auBerdem die n. 311 und 334 angeführte Literatur.

1. Die Persöulichkeit des Berichterstatters ist gleichsam das Medium, durch welches das von den Tatsachen ausstrahlende Licht das Auge des historischen Forschers erreicht. LaBt das Medium die Lichtstrahlen ungetrübt und ungebrochen durchfallen, so werden wir die Tatsachen in ihrer objektiven Wahrheit erkennen. Es kommt also darauf an, in jedem Einzelfall eines Berichtes genau zu untersuchen, ob das Medium oder die Persönlichkeit des Berichterstatters jeweilig ein zuverlassiges Werkzeug für die Ubermittlung des objektiven Tatbestandes ist, mit anderen Wort en, ob die Kenntnis und die Wahrhaftigkeit des Zeugen, wenigstens im vorliegenden Falie derart sind, daB wir den Zeugnisinhalt als wahr erkennen müssen. Wissen wir durch die Erfahrung oder stellt sich bei der Untersuchung heraus, daB einem Berichterstatter eine habituelle Zuverlassigkeit, d. h. eine gewohnheitsmaBig sorgsame, treue, aufmerksame Beobachtung und Darstellung des Beobachteten eignet und daB er auBerdem im dauernden Besitz der Wahrhaftigkeit ist, so dürfen wir nicht nur einzelnen seiner Berichte, sondern seiner gesamten Berichterstattung eigentlichen Glauben schenken. Und es ist selbst vernünftig, Ereignisse von weitreichendster Bedeutung durch den Autoritatsglauben ahzunehmen, wenn die Autoritat des Berichterstatters voll und ganz erwiesen ist (vgl oben n. 25 ff). Deshalb verdient z. B. auch schon von rein historischem Standpunkt aus das Zeugnis eines Evangelisten Johannes über seine eigenen Beobachtungen

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