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der geschichtlichen Wiedergabe der Wahrheit einen dieser entgegenstehenden Nebenzweck, wie den einer einseitigen Beeinflussung des Verstandes oder des Willens, verfolgt.

375. Analysieren wir z. B. C&sars Kommentar de beüo GaÜico, so tritt uns zwar in zahlreichen Stellen ein Berichterstatter entgegen, dessen Zeugnissen gegenüber wir — selbst wenn nicht eine bewuBte Unwahrhaftigkeit vorausgesetzt wird —, die gröBte Zurückhaltung Oben müssen: Casar gruppiert namlich vielfach die Tatsachen zu seinen Gunsten, stellt seine Person und seine Verdienste kis Licht, schildert seine Beweggründe und sein Handeln als berechtigt, für die Motive seiner Oegner, die doch nur ihre Freiheit und ihr Recht verteidigten, zeigt er kein Verstandnis; zudem lernen wir in Casar einen Feldherrn kennen, der hart und ohne Mitgefühl für die Völker ist, die er bekampft. Gleichwohl dürfen wir alle jene Berichte für richtig ansehen, die von jenen Tendenzen nicht beeinfluBt sind, welche vom Oegner Lobenswertes überliefern, in denen CSsar selbst keine Rolle spielt oder in denen er aus eigener Anschauung indifferente Vorgange wie einfache militarische Operationen, Truppenverschiebungen, Lagerbauten und dgl schildert. Und dies um so mehr, als der Kommentar aus realistischen und einfachen Dienstberichten entstanden ist, die Casar, von Natur aus ein klarer und nüchterner Verstandesmensch, als Statthalter jahrlich an den Senat zu schicken hatte und die somit der Kontrolle der öffentlichen Kritik unterstanden.

2. Die Wahrhaftigkeit bzw die Wahraussage des unmittelbaren Berichterstatters.

376. Es ist ein allgemein bestatigter Erfahrungssatz, daB wir erfahrungsgemaB die in authentischen Zeugnissen unterrichteter Zeugen mitgeteilten Tatsachen für glaubwürdig halten, wenn im Charakter des Berichtes oder im Charakter des Autors kein Grund für eine Falschung uns entgegentritt. Doch wird die Kritik sich nicht mit diesem negativ bestimmten Urteil, das eigentlich nur besagt, daB für den Zeugen, dowie jeder Mensch von Natur aus auf die Wahrhaftigkeit angelegt ist, kein Grund für die Falschung nachgewiesen wurde oder nachgewiesen werden kann, begnügen. Das Urteil über die Wahrhaftigkeit bzw die Wahraussage eines Zeugen erhait die eigentliche Grundlage erst durch das Hinzutreten des positiven Momentes, daB der Berichterstatter auf Grund seines Charakters über jede absichtliche Entstellung und Tauschung erhaben ist oder daB wegen der konkreten Umstande des Zeugnisses eine solche. Entstellung oder Tauschung ausgeschlossen ist

1. Durch langen Umgang mit einem Menschen oder durch die autoritative Beteuerung anderer zuverlissiger Manner kann uns der moralische Charakter eines Menschen so bekannt sein, daB ein Zweifel an seiner Aufrichtigkeit unvernünftig ware.

377. 2. In zweifelhaften Fallen vermittelt uns die Untersuchung des Verhaltnisses von Berichterstatter und Zeugnisinhalt oft die sichere Erkenntnis, daB in dem vorliegenden Einzelfall eine Lüge ausgeschlossen ist gemaB dem allgemeinen moralischen Prinzip nemo gratis tnendax (vgl oben n. 28). Es ist also in jenen Fallen festzustellen, daB der Zeuge durch eine wahrheitswidrige Aussage nichts gewinnt oder durch

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