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vermogen wir aus dem Gegenstand, dem Zweck sowie der Art und Weise des Wunders auch zu erschlieBen, ob es auf Gott oder eine damonische Kraft zurückzuführen ist, d. h. ob es ein Wunder im eigentlichen Sinne oder ein damonisches Wunder ist. Beim Wunder im eigentlichen Sinne ist namlich der Gegenstand stets ein sittlich gutes oder indifferentes Werk, der Zweck die Verherrlichung Gottes, die Art und Weise eine solche, daB nur sittlich erlaubte Umstande in die Erscheinung treten. DaB wir aber diese drei Momente im Einzelfall erkennen können, folgt aus der Tatsache der göttlichen Vorsehung, die daför Sorge tragen wird, daB die bösen Geister die Menschen nicht in einen unfiberwindlichen Irrtum führen.

Ein vorzügliches Beis pi el ffir die Zuverlassigkeit eines Wunderzeugnisses bietet die nistoria miraculorum in itinere Oermanico patratorum, welche die vom hl. Bernhard von Clairvaux bei seinem deutschen Kreuzzug gewirkten Wunder berichtet; vgl besonders OHöffer, Der hl. Bernhard von Clairvaux 1 (1886) 70—103 und Die Wunder des hl. Bernhard und ihr Kritiker im Hist. Jb 10(1878) 23—46, 748—807; viele andere gute Wunderberichte s. in den Akten der Selig-und Heiligsprechungsprozesse.

393. 3. Die Gegner der Wunderberichte bzw ihrer Glaubwürdigkeit lassen sich, soweit sie für uns in Betracht kommen, in drei Hauptklassen einteilen:

1) Gegner, welche die Möglichkeit der Wunder leugnen, weil sie den Naturgesetzen widerstreiten sollen. Diese Klasse umfaBt wieder verschiedene Arten von Gegnern:

a) Gegner, welche dem Wunderbericht an sich jede Beweiskraft absprechen. Zu diesen Gegnern gehören vor allem DHume, DStraufi und die Gesamtheit der Rationalisten. Nach ihnen ist ein Wunder physisch und damit schlechthin unmöglich. Da nun aber einem historischen Bericht höchstens eine moralische Sicherheit zukommt und die schwachere Sicherheit der starkern weichen muB, so besitzt ein historischer Wunderbericht keine innere Beweiskraft.

Horen wir z. B. Hume, Enquiries concerning the human understanding, Sect. X, part I p. 114 sqq: „But in order to increase the probability against the testimony of witnesses, let us suppose, that the fact, which they affirm, instead of being only marvellous, is really miraculous; and suppose also, that the testimony considered apart and in itself, amounts to an entire proof;

in that case, there is proof against proof, of which the strongest must prevail

and the superior only gives us an assurance suitable to that degree of force, which remains, after deducting the inferior". — Ahnlich sagt EZeller, Uber Ursprung und Wesen der Religion (Vortrage und Abhandlungen 2 [1766] 60 f: „unsere gesamte Natur- und Geschichtswissenschaft beruht vielmehr auf der Annahme, daB alles, was ist und geschieht, aus seinen Ursachen nach natürlichen Gesetzen hervorgehe. . . . Ebendamit ist aber das Eintreten von übernatürlichen Erfolgen unmittelbar ausgeschlossen (Deshalb) werden wir weit eher die Wahrheit und Genauigkeit einer Erzahlung, die Richtigkeit und Vollstandigkeit einer vermeinthchen Beobachtung in Zweifel ziehen, als daB wir die Tatsachlichkeit eines Vorgangs einraumten, der den allgemein gültigen Oesetzen des Geschehens, der Analogie aller sonstigen Erfahrung widerstritte."

Antwort: Dem Verfahren der Gegner liegt ein doppeltes Sop h i s m a zugrunde. Sie machen namlich die Zuverlassigkeit historischer Berichte vollstandig und ohne jedwede Ausnahme abhangig von der physischen Möglichkeit einer Tatsache, zu gleicher Zeit setzen sie aber unberechtigter Weise die absolute Notwendigkeit der Naturgesetze voraus. Aus dem oben Gesagte erhellt aber, daB die absolute Möglichkeit der Wunder eine metaphysische Wahrheit ist und daB es demnach ein physisches Gesetz, nach dem

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