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natfiriichen Zusammenhang des historischen Werdens hineinpaBt, sondern diesen gewaltsam durchbricht und somit gegen das Grundpostulat der historischen Stetigkeit verstöBt. Die Zurfickweisung geschieht in diesem Falie also im Namen der historischen Wissenschaft selbst

Dieser Einwurf wird u. a. von DFStraufi, der auch aus sonstigen Grimden das Wunder verwirft, in seinem Leben Jesu für das deutsche Volk 1 9 (1895) 186 f also angeffihrt: „Wenn es die Aufgabe der Geschichtsforschung ist, nicht bloB zu ermitteln, was geschehen, sondern auch, wie das eine aus dem andern hervorgegangen ist, so müBte sie auf den letzten, edelsten Teil ihrer Aufgabe verzichten, sobald sie irgendwo dem Wunder eine Statte einraumen wollte, das eben jenen Hervorgang des einen aus dem andern unterbricht".

Antwort: Der historische Kritiker, der den empirisch nachweisbaren kausalen Zusammenhang der überlieferten historischen Tatsachen prüft, hat zwar das Prinzip der natfiriichen Entwicklung der historischen Kontinuitat vorauszusetzen, aber er darf ihm nie den Wert eines absoluten, unabanderlichen Orundsatzes zugestehen. Sobald darum durchaus zuverlassige Zeugnisse ein Wunder berichten, muB notwendig ein übernatürliches Eingreifen in den natfiriichen Gang des Ereignisses angenommen werden.

398. 3) Gegner, welche zwar die innere Möglichkeit der Wunder zugeben, aber aus der gröfiern Wahrscheinlichkeit der Bestandigkeit der Naturgesetze gegenüber der geringern Wahrscheinlichkeit der Zuverlassigkeit eines unter andern Umstanden durchaus für glaubwürdig geitenden Berichtes letztern verwerfen, es sei denn daB ein „ungeheueres MaB von Zeugenschaften" geboten werde um seine Annahme zu rechtfertigen.

PSdeLaplace (-NSchwaiger), Philosoph. Versuch über die Wahrscheinlichkeiten (1886) 104f: „Wir müssen daraus schlieBen, daB die Wahrscheinlichkeit der Bestandigkeit der Naturgesetze ffir uns gröBer ist als die, daB das Ereignis, um das es sich handelt, nicht statthaben soll, eine Wahrscheinlichkeit, die selbst wieder die der meisten historischen Tatsachen, die wir ffir unanfechtbar halten, übertrifft. Man kann sich daraus ein Urteil bilden fiber das ungeheuere Gewicht der Zeugenaussagen, das notwendig ist um eine Aufhebung der Naturgesetze zuzulassen, und wie irrig es ware, auf diesen Fall die gewöhnlichen Regeln der Kritik anzuwenden.

Antwort: Gegen die zweifellose Zuverlassigkeit eines Wunderberichtes, der durch die allgemeinen Regeln der Quellenkritik mit reduktiv metaphysischer OewiBheit sichergestellt ist, laBt sich unter keinen Umstanden irgend welche noch so groBe Wahrscheinlichkeit der Bestandigkeit eines Naturgesetzes anffihren, da jene Sicherheit jede Wahrscheinlichkeit zerstört. Besitzen wir aber nur eine einfache moralische Sicherheit über die Zuverlassigkeit des Zeugnisses, so wird diese durch die besagte Wahrscheinlichkeit keineswegs aufgehoben, sondern wir werden durch dieselbe nur angeregt, die moralische Sicherheit zu einer gröBern Sicherheit auszugestalten.

399. 3. Die innere Möglichkeit und die moralische OewiBheit. Handelt es sich

um Berichte welche gegen die innere moralische Möglichkeit einer Tatsache zu verstoBen scheinen, so sind im Einzelfall genau die Umstande der Tatsache im Verhaltnis zum Charakter des handelnden Subjektes zu untersuchen; dabei ist freilich die Freiheit des Menschen nicht zu übersehen, die auch ihre Geheimnisse und eine gewisse Unberechenbarkeit besitzt.

Feder, Hist. Methodik.

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