Tekst
Onderstaande tekst is niet 100% betrouwbaar

von Öbrigkeit zu Obrigkeit sich überlieferten, selbst dann, wenn die Vorlage den veranderten politischen oder sonstigen rechtlichen Verhaltnissen nicht mehr entsprach. Die zweite Voraussetzung ist, daB die gezogenen Schlüsse sicher oder wenigstens wahrscheinlich sind; bei der Natur dieser Schlüsse, die so vielfach auf Analogien und Hypothesen beruhen, ist ja ein Irrtum oder ein SchluB ohne innere Wahrscheinlichkeit sehr leicht möglich.

404. 2. Der SchluB aus der Übereinstimmung der Überreste wird natürlich um so wahrscheinlicher und in vielen Fallen um so sicherer, je zahlreicher die Überreste oder die Indizien auf die efne fragliche Tatsache hinweisen. Ja manchmal ahnelt der SchluB dem eigentiichen InduktionsschluB, in dem Falie namlich, wo die vorgefundenen überreste ziemlich zahlreich, gleichartigen oder ahnlichen Charakters sind und sich nur als Reste einer ganz bestimmten Tatsache erklaren lassen. Finden wir z. B. auf einem Felde eine römische Munze, so können wir noch nicht schlieBen, daB eine römische Niederlassung in der Nahe bestanden hat, weil die Münze auch zufallig hingelangt sein kann. Finden wir hingegen auf demselben Felde eine gröBere Anzahl solcher Münzen, auBerdem römische Gerate, Schmuckgegenstande, Baureste eines Hauses, so lautet der SchluB mit Sicherheit: Hier stand früher ein römisches Wohnhaus dieser oder jener Art. Die Beweiskraft eines solchen Schlusses beruht auf dem Prinzip vom zureichenden Orunde. Es ist namlich ausgeschlossen, daB eine gröBere Zahl von Überresten, die zwar für sich allein keine notwendige Beziehung zur fraglichen Tatsache haben, die aber in ihrer Gesamtheit nur durch diese Tatsache erklart werden können, vorhanden ist, ohne daB die betreffende Tatsache der Wirklichkeit angehört hat.

405. 3. Gewöhnlich nennen wir den Beweis, der von mehreren Indizien auf die Existenz einer vorher unbekannten Tatsache schlieBt, einen Indizienbeweis. Unter Indizien verstehen wir hier aber nicht nur materielle Überreste, sondern auch sinnlich wahrnehmbare Tatsachen, die einen SchluB auf andere Tatsachen als ihre Wirkungen oder Ursachen oder sonst mit ihnen verbundene Vorgange zulassen (vgl oben n. 90). Der Indizienbeweis kann auch in einem weitern Sinne aufgefaBt werden, insofern durch ihn von einer einzigen Tatsache auf eine andere vorher unbekannte geschlossen wird oder insofern eine nicht genügend bekannte Tatsache durch die Indizien bestatigt wird. Von besonderer Bedeutung ist der Indizienbeweis für das Gerichtsverfahren, bei dem er heute tast den gleichen Rang wie der direkte Beweis einnimmt; allgemein betrachtet man namlich heute in jnristischen Kreisen den gelungenen Indizienbeweis als vollwertigen Beweis, nur daB dem Grundsatz der Unmittelbarkeit gemaB zum Indizienbeweis nur mangels direkten Beweises gegriffen werden kann (EBelin, in HoltzendorfPs Enzyklopadie der Rechtswissenschaft 2 6 [1914] 370).

Die Indizien unterscheidet man in nahe und entfernte (proxüna et remota), ie nachdem sie entweder groBe oder nur geringe Wahrscheinlichkeit für die betreffende Tatsache darbieten. AuBerdem unterscheiden die Junsten

Sluiten