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noch gemeine und besondere Indizien (communia et propriet): erstere finden sich bei allen und jeden, letztere nur bei gewissen Vergehen vor. So gelten z. B. als gemeine nahe Indizien Drohungen, auf welche spater die angedrohte Tat folgte oder das Auffinden einer dem Verdachtigen angehörigen Sache an dem Ort der vollzogenen Tat. Als gemeine entfernte Indizien gelten u. a. der allgemeine Ruf eines guten oder schlechten Lebenswandels, der vertraute Urngang des Beschuldigten mit bekannten Übeltatern der fraglichen Art, die Anwesenheit am Tatorte unter verdachtigen Umstanden, Verbreitune falscher Nachrichten, das Bekunden einer auffalligen Oemütsveranderung und dgl. Als besondere Indizien können gelten bei Diebstahl der in richterïicher Begründung nicht naher nachzuweisende plötzlich eingetretene Wohlstand des Beschuldigten, der Besitz der vermifiten Gegenstande, bei Totschlag die zur fraglichen Zeit stattgefundene verdachtige Gegenwart des Angeschuldigten, bei Entdeckung von Ruinen einer alten unbekannten Stadt Reste von Waffen und Verletzungen der Skelette, die auf den Untergang der Stadt durch einen feindlichen Überfall hinweisen, bei einem wirtschaftlichen Zustand die Momente des Einflusses, den er auf die geistige Kultur ausgeübt hat.

406. 4. Ein FehlschluB und keine Bestatigung einer Tatsache durch eine andere Tatsache liegt vor, wenn man von einer nur möglich en oder beabsichtigten Tatsache auf dieWirklichkeit derselben schlieBt. Dieser FehlschluB findet sich besonders haufig bei der Interpretation von Akten und Urkunden vor, die in vielen Fallen vollkommen ausgefertigt sind, ohne daB die Tatsache, die sie in Aussicht stellen oder die sie herbeiffihren sollen, verwirklicht wird. So kann ein Vertrag aufgesetzt und mit den Unterschriften versehen sein, ohne daB er ausgeführt wird. Es können Einladungen zu einem Konzil, zu einer Volks- oder Reichsversammlung ausgeschrieben sein, ohne daB die Geladenen erscheinen. Gesetze werden manchmal erlassen, aber nicht befolgt. Eine Drohung wird oft ausgesprochen, aber die angedrohte Tat unterbleibt. Ein anderer nicht seltener FehlschuB besteht darin, daB man von negativen Gesetzen und Strafbestimmungen auf die Tatsachlichkeit der fraglichen Verfehlungen schlieBt Man übersieht dabei den Umstand, daB der Gesetzgeber in seinen Verboten und Strafbestimmungen oft nicht bestehende Fehler und Laster treffen, sondern nur mögliche Falie verhindern will.

407. 2. Übereinstimmung von formellen Zeugnissen mit formellen Zeugnissen.

1. Auch hier gilt als Grundvoraussetzung, daB die Zeugnisse, die unter sich vergltchen werden, von einander unabhangig sind, weil eine Nacherzahlung oder Nachbildung die bereits vom ersten Zeugnis gebotene Erkenntnis nicht modifizieren bzw bestatigen kann und deshalb bei der Kontrolle auszuscheiden hat Nur in dem Falie, wo jemand eine Tatsache nacherzahlt, von der er zugleich eine selbstandige Kenntnis hat und die er nicht wiedererzahlen würde, wenn die überkommene Kenntnis nicht mit der eigenen übereinstimmte, ist der Bericht einem völlig unabhangigen gleichzustellen. Die Abhangigkeit kann nun darin bestehen, daB jemand eine Tatsache einem andern Bericht bewuBt nacherzahlt oder daB seine Aussage durch die Kenntnis anderer Aussagen suggestiv beeinfluBt wird, wie dies haufig bei Zeugenvernehmungen vor Gericht vorkomnrt, oder daB er in seiner

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