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Auffassung der berichteten Tatsachen einseitig die Parteianschauung irgend einer Interessengemeinschaft oder die eigentümliche Weltanschauung der betreffenden Zeit wiedergibt, die in nicht seltenen Fallen auch auf die Darstellung der Tatsachlichkeit der fraglichen Tatsachen talschend einwirkt (heidnische Schriftsteller über die religiösen Zusammenkünfte der ersten Christen, mittelalterliche Autoren und Richter über das Treiben der angeblichen Hexen). Das Mittel, die Unabhangigkeit der Quellen zu erweisen, besteht in der Quellenanalyse (vgl oben n. 270 ff). Sie ermöglicht es uns, alle Berichte, die nur Nacherzahlungen oder Nachbildungen anderer Berichte und darum Quellen sekundaren Charakters sind, einfach auszuscheiden, so daB sie überhaupt nicht mehr in Frage kommen gemafi dem Grundsatz: Testimonia non numeranda, sed ponderanda sunt.

Auch bei ein und demselben Berichterstatter kann es sich ereignen, daB ein Zeugnis von einem bereits früher durch ihn selbst abgegebenen völlig abhangig ist; in diesem Falie verliert das Zeugnis allen selbstandigen Wert für die Kritik. Ferner kommt es bei den in unseren Tagen so zahlreichen Berichten über öffentliche Versammlungen oder Prozesse manchmal vor daB die einzelnen Berichte insgesamt auf ein gemeinsames offizielles Protokoll zurückgehen, ohne daB die Berichterstatter dieses selbst durch eigene Beobachtung kontrolliert und bestatigt haben; auch in diesem Falie besitzen die spateren Zeugnisse keinen selbstandigen Wert.

408. 2. Das SchluBverfahren bei übereinstimmenden formellen Zeugnissen beruht auf einem psychologischen Erfahrungssatz und dem metaphysischen Prinzip vom zureichenden Grunde bzw von der notwendigen Ordnung im Weltgeschehen. Nach ersterm werden zwei oder mehrere Menschen nicht unabhangig voneinander dieselbe Tatsache erfinden oder in der Berichterstattung dieselben bewuBten oder unbewuBten Abweichungen vom objektiven Tatbestand aufweisen. Nach dem zweiten Prinzip aber ist es ausgeschlossen, daB eine gröBere Anzahl von unabhangigen Zeugen oder Zeugenreihen, deren Anschauungen oder Interessen infolge ihrer Erziehung, Volkszugehörigkeit, ihrer Sitten und anderer auBerer Lebensbedingungen voneinander abweichen oder sogar miteinander streken, in einem Bericht über eine historische Tatsache die ihrem Wesen nach ja immer singularer Natur ist, übereinstimmen, wenn die Tatsache selbst nicht wahr ist

Unter den angeführten Umstanden ist auch eine Verabredung gegen die Wahrheit einfachhin unmöglich, weil ja die Unabhangigkeit der Zeugen vorausgesetzt ist Jeder etwaige Verdacht einer derartigen Verabredung wird übrigens schon dadurch beseitigt, daB der gute Olaube auch nur eines einzigen Zeugen feststeht

409. Auf den Einwurf: „Jeder einzelne Zeuge kann lügen, also auch alle zusammen, weil die Verbindung die Menschen nicht besser macht", antwortet Outbetiet S. 260 treffend: „Es gibt allerdings Pradikate, welche, da sie von den Einzelnen gelten, auch von ihrer Oesamtheit ausgesagt werden mussen ; es sind dies diejenigen, welche den Einzelnen kraft ihrer Wesen heit, nicht als Teilen zukommen. Dagegen gibt es andere, welche zwar dem Ganzen, nicht aber den Teilen zukommen, weil sie eben dem Ganzen als Oanzen zukommen". Zu letzteren Pridikaten gehort aber die moralische Unmöglichkett, daB die besagte Mehrzahl von Zeugen unter den besagten Umstanden

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