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diese Weise kann selbst bei den Überlieferungen der Sage ein historischer Kern gerettet werden, wenn namlich dessen Existenz durch die unmittelbaren Überreste der fraglichen alten Zeit, wie Kunsterzeugnisse, Denkmaler, Gesetzesüberlieferungen, Andeutungen in Sprache und Sitte mit Sicherheit erschlossen wird. So hat die Kritik in der Tat bei manchen alten Sagen auf Grund der unmittelbaren Überreste oder Überlebnisse einen historischen, wenn auch meist nur sparlichen Tatbestand feststellen können.

Beispiel: Thukydides bringt in seiner Oeschichte des peloponnesischen Krieges 1, 4 folgende mündliche Überlieferung; „Minos war unter den Helden, von welchen uns die Oeschichte berichtet, der erste, der eine Seemacht schuf. Er dehnte seine Herrschaft über den gröBten Teil 3es Meeres aus, das man jetzt das griechische nennt. Er errichtete seine Herrschaft auf den Kykladen und kolonisierte sie, nachdem er die Karer von dort vertrieben hatte; er gab die Herrschaft über sie an seine Söhne ab und unterdrückte die Seerauberei, um sich die Tribute zu sichern." Da Thukydides sich bei diesem Bericht einzig auf die Tradition stützt, so hielt man sein Zeugnis für wertlos, zumal sich um die Person des Minos ein Kreis von Sagen gebildet hatte. Dureh neuere Ausgrabungen wurde aber der Bericht des griechischen Oeschichtschreibers im Wesentlichen bestatigt. Seit 1900 hat man namlich den Boden Kretas systematisch untersucht und dort die Reste verschiedener Kulturperioden, darunter die Spuren eines groBen Reiches aufgefunden, das in die Zeit vom 16.—11. Jahrhundert fallt. Man hat u. a. die Reste ungeheuerer und reicher Palaste entdeckt, die an den alten Oriënt erinnern. Diese Werke der Baukunst und andere aufgefundene Erzeugnisse der Malerei, der Kleinkunst wie Metall- und TongefaBe, sonstige Qerate gewahren eihen Einblick in ein reiches Kulturleben, das selbst die Blüte des klassischen Hellenentums an OroBartigkeit und Vielseitigkeit übertraf. Und diese Kultur breitete nachweisbar ihren EinfluB weit über Kreta hinaus über die Ostküste des festlandischen Oriechentums, über die Küsten und Insein des agaischen und des mittellahdischen „Meeres und selbst über Klginasien aus. Die Tatsache, daB man in den Überresten der Stadte keine Überbleibsel von Befestigungen auffand, weist auf den maritimen Charakter des kretischen Reiches hin.

Zahlreiche ahnliche Beispiele bieten die neueren wissenschaflichen Darstellungen der Oeschichte vieler alter Völker, besonders des assyrischbabylonischen, des jüdischen, des agyptischen, des griechischen, des römischen. So sind namentlich viele Berichte des in alter und neuer Zeit haufig angegriffenen Herodot über die alte Welt in fast allen Fallen, wo er aus eigener Erfahrung spricht, durch Überreste glanzend bestatigt worden; desgleichen wurden zahlreiche Zeugnisse Strobos und anderer alter Reisenden durch das Zeugnis der Übereste als richtig befunden.

412. 2. Umgekehrt sind auch viele alte Überreste oder besser die aus solchen von einsichtigen Forschern gezogenen SchluBfolgerungen durch nachher aufgefundene formelle Zeugnisse bestatigt worden. Wir denken hier vor allem an die Denkmaler der groBen Blüteperioden Agyptens, an seine Steintempel, die Pyramiden, die Graber und Grabstelen, Hausgerate, Weinkrüge, Schmucksachen, hieroglyphische Inschriften und dergleichen Überreste. Das Bild, das man auf Grund dieser Überreste vom Kulturleben Agyptens und von vielen historischen Tatsachen der Vergangenheit entwerfen konnte, tand eine glanzende Bestatigung und Erganzung durch die besonders in den letzten Jahrzehnten entdeckten Inschriften, Akten, Urkunden, Briefe, literarischen Texte.

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