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Sieg errungen haben, so dürfen wir annehmen, daB keine Partei vollsta'ndig gesiegt hat.

6) Widersprechen sich zuverlassige Berichte nur in unwesentlichen Begleitumstanden, stimmen sie aber in wesentlichen überein, so können die Widersprüche vernachlassigt werden. Andrerseits kann bei nicht zuverlassigen Zeugnissen, die zwar auch im Wesentlichen übereinstimmen, die Prüfung der kleineren Widersprüche zur sichern Aufdeckung der Unzuverlassigkeit des ganzen Zeugnisinhaltes führen (vgl Daniël und die Aussagen der zwei Richter bei der Anklage gegen Susanna).

7) In anderen Fallen können die sich anscheinend widersprechenden Angaben miteinander vereinigt werden, da die Verschiedenheit der Angaben nur auf einer andern psychischen Ein stellung der Berichterstatter bei der Beobachtung der fraglichen Tatsache oder bei der Wiedergabe derselben beruht, so z. B. bei den Berichten zweier feindlichen Generale über eine Schlacht.

8) Stehen sich Berichte verschiedener Zeugen gegenüber, von denen die einen in spontaner Aussage abgegeben wurden, die anderen auf Befragung erfolgten, so besitzt ceteris paribus die erstere gröBere Zuverlassigkeit.

3. Der Beweis ans dem Stillschweigen.

415. 1. Der Beweis aus dem Stillschweigen (argumentum e silentio) ist eigentlich ein negatives Kontrollmittel einer nicht bezeugten oder einer nicht zuverlassig bezeugten Tatsache. Er ist der Beweis der Nichtexistenz einer Tatsache aus dem Schweigen aller zeitgenössischen Quellen oder der Beweis der Unglaubwürdigkeit eines — meist spatern — Zeugnisses aus dem Schweigen aller anderen in Frage kommenden, vor allem der zeitgenössischen, Zeugnisse. In Syllogismusform wird er haufig so ausgedrückt:

„Wenn das gegebene Zeugnis glaubwürdig ware, wenn also die Tatsache wahr ware, so würde sie auch von anderen zeitgenössischen Quellen bezeugt werden. Nun ist dieses aber nicht der Fall. Also ist das Zeugnis unwahr, die betreffende Tatsache kann nicht als geschehen geiten'.

Doch ist diese Formulierung, wie wir gleich noch sehen werden, nicht richtig. Der Grund des Stillschweigens kann namlich darin liegen, daB die Tatsache den anderen Schriftstellern unbekannt geblieben ist oder daB sie dieselbe absichtlich verschwiegen haben.

Man nennt das Argument aus dem Stillschweigen auch zuweilen argumentum negativum, doch meidet man besser diesen Ausdruck, da man darunter leicht einen Beweis verstehen könnte, der in einem formellen positiven Zeugnis gegen ein anderes positives Zeugnis besteht. Uber die Oeschichte des argumentum e silentio, im besondern die irrigen Ansichten, die Baronius, JdeLaunoy, JMabiüon, JBThiers über dasselbe aufstellten, und deren Widerlegung s. de Smedt 215—25.

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