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416. 2. Der Beweis aus dem Stillschweigen hat nur dann Bedeutung und Wert, wenn folgende zwei Bedingungen erfüllt sind: 1) der Autor, dessen Schweigen als Beweis für die Falschheit der fraglichen Tatsache angerufen wird, hatte dieselbe, wenn sie sich faktisch ereignet hatte, kennen müssen; 2) wenn er die Tatsache gekannt hatte, hitteer unter den gegebenen Umstanden davon Mitteilung machen müssen. Sind diese beiden Bedingungen erfüllt, so dürfen wir mittels des argumentum e silentio mit moralischer Sicherheit den besagten SchluB ziehen. Beide Bedingungen beruhen namlich auf dem natfiriichen Streben des Menschen, die Wahrheit kennen zu lernen, wenn sie für ihn von gröBerer Bedeutung ist und wenn sie leicht zu erreichen ist, sowie auf dem natfiriichen Streben, sich selbst und seine eigenen Interessen zu schützen.

Im Einzelfall muB nun eine grfindliche Prüfung feststellen, ob die beiden Bedingungen erfüllt sind oder nicht. Bei der ersten Bedingung ist, wie aus ihrer Formulierung hervorgeht, vorausgesetzt, daB das Ereignis eine gewisse Bedeutung hatte und leicht beachtet werden konnte und dem betreffenden Berichterstatter unmittelbar oder mittelbar "bekannt sein muBte; die Bedingung schlieBt natürlich nicht aus, daB die eine oder andere Einzelheit ihm verborgen blieb. Zu den konkreten Momenten, welche die zweite Bedingung verwirklichen, gehören z. B. folgende: das Schweigen würde dem Berichterstatter oder seinen Interessen, zu denen auch die Vollstandigkeit seines Zeugnisses gehort, schaden oder seinen Feinden nützen, das Schweigen würde den Ruf der Ehrlichkeit oder der Gerechtigkeitsliebe des Berichterstatters herabsetzen, durch das Schweigen würde er seiner Partei irgendwelchen Nachteil zuffigen.

417. 3. Der Beweis aus dem Stillschweigen kann in zweifacher Hinsicht angewandt werden: 1) zum SchluB auf die N ichtexistenz einer Tatsache, wenn namlich alle zeitgenössischen oder kurz auf das fragliche Ereignis folgenden Quellen darfiber schweigen; 2) zum SchluB auf die Nichtglaubwfirdigkeit eines Zeugnisses, wenn die anderen zeitgenössischen oder kurz auf die fragliche Tatsache folgenden Zeugnisse nichts davon berichten. Ffir gewöhnlich hat in dergleichen Fallen schon das Schweigen eines einzigen gewichtigen Zeugen Beweiskraft

Beispiele für den SchluB auf die Nichtexistenz einer Tatsache: DaB Justin der Martyrer Presbyter war, findet sich in keinen zuverlassigen zeitgenössischen Berichten bezeugt, weder in seinen eigenen Schriften, noch im Bericht über sein Martyrium noch in der Überlieferung seiner Werke, darum schlieBen wir, daB er nur Laie war. Lyon oder Lugdunum wird von Casar nicht erwahnt, somit ziehen wir den SchluB, daB es zur Zeit seines Aufenthaltes in Gallien überhaupt nicht oder wenigstens nicht als namhafte Niederlassung existierte. Die Lyoner Bischofslisten führen an erster Stelle den Bischof Pothinus (t 177/8) an, somit schluBfolgern wir mit Recht, daB vor ihm dort keine hiërarchisch geordnete Oemeinde bestand. — Beispiele für den SchluB auf die Nichtglaubwfirdigkeit eines Zeugnisses: in der Chronik Turptns werden Karl dem Grofien Tatsachen zugeschrieben, deren Zeugen die GroBen des Reiches, besonders die Hof leute gewesen waren; bei Einhard,

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