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Dritter Hauptteil.

Synthese der bezeugten Tatsachen.

420. Ist für einen bestimmten geschichtlichen Gegenstand das Quellenmaterial mittels der Heuristik gesammelt und die Tatsachlichkeit und Zuverlassigkeit der einzelnen Quellen bzw die Tatsachlichkeit der historischen Fakta selbst mittels der Quellenkritik festgestdlt, so haben wir damit zwar eine sichere Kenntnis der bezeugten Tatsachen, aber noch nicht eine volle Bewertung derselben gewonnen; denn jede historische Tatsache ist nicht nur als Einzderscheinung, sondern auch als Glied einer engern Entwicklungsreihe geschichtlichen Geschehens und schlieBlich als Glied der Entwicklung der gesamten Menschheitsgeschichte zu betrachten. Es fallt deshalb der historischen Methodik neben der Heuristik und Qudlenkritik noch eine dritte Aufgabe zu, namlich mittels der Synthese den Zusammenhang der einzelnen Tatsachen mit anderen bereits bekannten Tatsachen zu bestimmen, dieselben in die Reihe der betreffenden geschichtiichen Entwicklung richtig dnzufügen und sie durch die Darstdlung zum auBern Ausdruck zu bringen. Der Ausdruck Synthese (synthese, sintesis) hat hier den eigentlichen Sinn von Zusammenstellung, Anordnung und ist nicht identisch mit dem Begriff synthetische Methode. In einem ahnlichen Sinne wandten wir den Ausdruck Synthese schon bei der einfachen Operation des Verstandes an, die zwischen der sinnlichen Wahrnehmung eines Vorganges und der auBern Wiedergabe derselben durch die Sprache liegt (s. oben n. 322). Die Synthese im eigentlichen Sinne wird ihrer Aufgabe durch folgende Akte gerecht: die auf ere Anordnung der Tatsachen, ihre innere Verknüpfung, die Darstellung. Die einzelnen Funktionen sind praktisch zwar auf das engste miteinander verknüpft, werden aber der systematischen Untersuchung halber gesondert betrachtet. Eine notwendige Voraussetzung dieser Funktionen ist die, daB wir uns über den Sinn der gegebenen Zeugnisse völlig klar sind. Diese Klarstellung wird durch die Interpretation errdcht, die in der Praxis oft schon mit den verschiedenen Akten der Kritik sich verbindet und deren Theorie deshalb vidfach auch bei den Untersuchungen der Qudlenkritik abgehandelt wird (vgl oben n. 210).

Erstes Kapitel.

Die Interpretation der Zeugnisse.

421. Die Theorie der Interpretation ist in ausführlicherer Wdse in der Philolog. Methodik 95—110 besprochen worden; deshalb seien hier nur einige Grundzüge derselben vorgdegt.

Unter der Interpretation dner Qudle verstehen wir die Auslegung oder Deutung derselben. Die Theorie der Interpretation macht

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