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die Wissenschaft der Hermeneutik aus. Diese beruht auf dem Orundsatz, daB die namlichen Gesetze, welche bei aller Gedankendarstellung angewandt werden, in ahnlicher oder derselben Weise auch bei der Gedankenerfassung durch die Hörer oder Leser befolgt werden. Die Interpretation im allgemeinen umfaBt natürlich alle Quellen, auch die stummen oder die Überreste. Doch wird die Theorie der Interpretation dieser Quellen gewöhnlich den entsprechenden Hilfswissenschaften zugeteilt. Da zudem die Interpretation der Schrift der Palaographie und die Interpretation der bildlich-figfirlichen Quellen der Archaologie und den betreffenden Einzelwissenschaften zufallt, so befaBt die historische Methodik sich nur mit der Interpretation der durch die mündliche oder schriftliche Sprache überlieferten Zeugnisse. Die Interpretation dieser Zeugnisse ist nun eine fünffache.

422. 1. Der Sinn des Zeugnisses wird zunachst durch den Sinn oder die Bedeutung der gebrauchten Worte bedingt Deshalb hat die Gesamtinterpretation einer Quelle von der Erklarung der Worte auszugehen. Wir nennen diese Art der Interpretation die sprachliche. Man kann nun das Wort als Individuum und in seiner Verbindung mit dem Ganzen des Satzes auffassen, ferner nach seiner formaten (lautlichen) und nach seiner geistigen Seite hin. Als Individuen nach der formaten Seite hin werden die Worte durch die Etymologie und die Wortbildungslehre untersucht, nach der geistigen Seite hin durch die Bedeutungslehre (Semasiologie). Die zwischen den einzelnen Worten als Bestandteilen des Satzes bestehenden Beziehungen werden nach der formaten Seite hin durch die Flexionslehre, nach der geistigen Seite hin durch die Syntax interpretiert Von besonderer Bedeutung ist die semasiologische Interpretation für alle fremdsprachlichen Texte, namentlich wenn diese einer vergangenen Zeitepoche angehören. Die Wörter einer Sprache haben namlich für gewöhnlich im Laufe der Zeit einen mannigfachen Bedeutungswandel erf ah ren. Der Interpret muB deshalb die einzelnen Arten und Ursachen dieses Bedeutungswandels kennen, um im Einzelfall die Bedeutung des Wort es erschlieBen zu können. Ein vortreffliches Hilfsmittel wird er für diese Arbeit in den neueren groBen wissenschaftlichen Lexika, die auch den Bedeutungswandel systematisch berücksichtigen, finden (vgl Philolog. Methodik 103 f).

423. 2. Zur Einkleidung seiner Gedanken wahlt der Berichterstatter, besonders bei einer langern Darstellung, eine ganz bestimmte sprachliche Form, oft eine Kunstform, und ist somit durch seine Wahl an die Vorschriften und Gesetze dieser Form gebunden. Oft bedingt auch die durch die innere Natur und den Zweck des Zeugnisses bestimmte Queilengattung (Brief, Urkunde, Gerichtsrede, Biographie, diplomatisch er Bericht usw) den auBern Aufbau und in vielen Fallen auch die auBeren Formalien des Berichtes. Die Interpretationsart, welche die Quellen unter dem Gesichtspunkt des auBern Charakters und des auBern Aufbaues betrachtet nennen wir die technische Interpretation.

3. Der Berichterstatter verbindet seine Oedanken nach gewissen

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